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Über den Tellerrand geschaut

Tobias Gölzer

Unkommunikativ – brauche ich wirklich eine Smartwatch? (Pebble Review)

31. August 2014 von Tobias Gölzer

Die Zeiten haben sich geändert. Früher, zu Schulzeiten, bevor Smartphones den Markt überfluteten, war ich ohne Uhr quasi nackt. Das wichtigste Accessoire war gleichzeitig irgendwie auch Statussymbol und durfte eigentlich nie fehlen. Vielleicht hundert Mal am Tag schaute ich, bewusst oder unbewusst, auf die Uhr. Wenn ich morgens aus dem Haus ging und selbige aus irgendeinem Grund zu Hause vergessen hatte, lief ich den ganzen Tag mit dem Gefühl durch die Welt, dass irgendetwas Wichtiges fehlt.

Und dann bekam ich das erste Smartphone. Plötzlich war die Uhr beim Tippen am Rechner doch irgendwie lästig, und der Blick aufs Handydisplay offenbarte mir plötzlich nicht nur die Information über die Uhrzeit, sondern auch über neue Nachrichten, das Wetter und viele andere Dinge, die ich eigentlich gar nicht wissen wollte – die aber dann doch irgendwie interessant sind. Und nicht allzu oft kommt es heute vor, dass ich wegen der Uhrzeit auf mein Display schaue, drei neue Nachrichten lese, das Handy wegstecke und mich dann frage, wie viel Uhr es jetzt eigentlich ist. Offenbar schafft es mein Hirn, sich so in die Informationsmenge auf dem Display einzulesen, dass es vergisst, warum ich eigentlich aufs Handy schauen wollte. Schnell wird mal noch das Wetter gecheckt (statt in den Himmel zu schauen), der Twitterstream gelesen, Facebook gepostet und Instagram aktualisiert. Eigentlich hat man mit so einem Smartphone immer etwas zu tun. Die Wertung, ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei an der Stelle jedem selbst überlassen.

Immer mehr kommt aktuell deshalb der Wunsch auf, das Handy einfach mal wegzustecken, in der Kneipe nicht Teil einer Tischgemeinschaft zu sein, die im Kreis sitzend, schweigend mit ihren Handys beschäftigt, vergisst miteinander zu reden. „Unkommunikativ“ –wie oft habe ich dieses Wort in den letzten Monaten gehört. Nun läge es ja nahe, das Telefon einfach zu Hause zu lassen und komplett ohne Netzanbindung loszuziehen – aber sind wir doch einmal ehrlich – dagegen gibt es doch super viele Gründe die, wenn man sie sich nur lange genug einredet, in der Erkenntnis münden, dass man das Handy unterwegs braucht. Was, wenn man die Gruppe verliert, jemand zu spät kommt und per Whatsapp nach der Location fragt, wenn genau in dem Moment zu Hause die Wohnung brennt und der Vermieter anruft,… Nein, das Handy muss mit.

An diesem Punkt kommen dann Smartwatches ins Spiel. Die Idee, die gute alte Armbanduhr und damit den Blick aufs Handgelenk zu reaktivieren, liegt eigentlich nahe. Das Handy bleibt in der Hosentasche und man ist trotzdem über alles Wichtige wie Anrufe, Nachrichten und das Wetter auf der anderen Seite des Fensters informiert. Achja, die Uhrzeit zeigen die Dinger auch an! Jetzt gibt es auf dem Markt verschiedene Arten von Smartwatches. Ich möchte mich jetzt nicht über jedes einzelne auf dem Markt verfügbare Gerät auslassen, sondern nur eine kurze Übersicht über die für mich in Frage kommenden Möglichkeiten geben.

Version 1: Das komplette Smartphone am Handgelenk.

Dieses Gerät beinhaltet alles, was ein Smartphone ausmacht. Eine eigene SIM ist ebenso Teil des Systems wie Touchscreen, App Store und aller Komfort. Diese Smartphones sind meistens ca. 10mm dick, hässlich, schwer und – ganz im Ernst – wer will schon mit der Uhr am Ohr telefonieren? Außerdem bedeutet eine neue SIM meistens auch eine eigene Nummer für die Uhr, eine eigene Rechnung und Mehrkosten für etwas, was ich eigentlich gar nicht brauche. Apropos „brauchen“. EIGENTLICH weiß ich schon jetzt, dass ich keine Smartwatch brauche. Aber seit sich das „Haben-Wollen-Gen“ im Sprachgebrauch etabliert hat, muss ich hierzu wohl nichts mehr sagen. Jedenfalls fällt Version 1 aus Gewichts- und praktischen Gründen eindeutig aus meinem Raster.

Version 2: Die gekoppelte Smartwatch mit aktivem LED Display

Hier wird es jetzt interessant. Die Smartwatch wird via Bluetooth an das Handy gekoppelt und empfängt die Daten über eben diese Datenschnittstelle. Die Uhr braucht also keine eigene SIM und kann dadurch deutlich kompakter gebaut werden. Einzige Probleme bei dieser Version: Durch das aktiv beleuchtete LED Display ist die Uhr oft im Sonnenlicht schlecht lesbar und auch die Akkulaufzeit ist nicht grade die Stärke dieses Smartwatch-Types. Ist übrigens bei Version 1 auch nicht wirklich besser – im Gegenteil. Außerdem ist mein iPhone bekanntermaßen eine Zicke bezüglich zugelassener Bluetooth-Verbindungen und die iWatch lässt weiterhin auf sich warten.

Version 3: Die gekoppelte Smartwatch mit E-Ink Display

Ich bräuchte also eine hübsche, gekoppelte Smartwatch mit langer Akkulaufzeit, die sich mit meinem iPhone verträgt.

Dass ich mit diesem Wunsch nicht der einzige bin, beweist ein 2012 gestartetes Kickstarter Projekt, dass statt den gewünschten $100.000 gleich mal über $10.000.000 einbrachte: Die Pebble.

Eine Smartwatch die, laut Beschreibung, mit E-Ink Display und damit großartiger Akkulaufzeit, iPhone Kompatibilität und einem schlichten, aber hübschen Design besticht. Was sie gegenüber der LED Display bestückten Konkurrenz vermissen lässt ist:

  • Touchscreen (brauche ich auf diesem winzigen Display glaube ich nicht wirklich)
  • Farbiges Display (Brauche ich zur Informationsanzeige ebenfalls nicht)

Dafür gibt es eine gute API, einen kleinen Appstore und vor allem ein schlankes, leichtes Design in verschiedenen Varianten.

Um zum eigentlichen Punkt des Artikels zu kommen: Wir haben uns also die Pebble in der Basis-Version in schwarz bestellt und ich werde sie die nächsten Tage im Alltag testen. Vielleicht messe ich ja den Erfolg des Konzepts einfach am Gebrauch des Wortes „unkommunikativ“ in meinem Umfeld.

Unboxing the Pebble

Tag 1– Unboxing und warm werden

Unboxing

Stündlich erfrage ich den Lieferstatus des Pakets. Als es dann endlich da ist, beginnt der beste Teil am Bestellen neuer Hardware: das „Unboxing“. Die Pebble kommt in einer kleinen, stabilen Pappbox, die sich glücklicherweise schnell und problemlos öffnen lässt (Ein kurzes Augenzwinkern zum Nexus 7…) und einen Blick auf die Uhr freigibt. Außerdem dabei: Ladekabel (mit Magnetverbindung, sehr schön!), ein kurzes Quickstart-Heftchen und das war’s auch schon.

Die Pebble begrüßt uns mit einem freundlichen „hello.“ Aufkleber. Alles richtig gemacht, ich freu mich total darauf, endlich loszulegen. Ich frage mich allerdings, wieso es zur Begrüßung einen Aufkleber braucht – ein E-Ink Display verbraucht doch keinen Strom, so lange es sich nicht verändert?! Diese Frage erledigt sich relativ schnell beim Anschalten der Uhr – Das Display ist mit 144 × 168px erwartungsgemäß nicht das schärfste. Gerade bei kleinen oder schmalen Schriften, sieht man die Pixeltreppchen doch sehr stark. Stört mich aber – auch wenn ich vom Handy Retina gewohnt bin – ehrlich gesagt nicht weiter. Bei vernünftigem Betrachtungsabstand fällt es mir auch kaum noch auf.

Angezogen ist die Uhr, naja, ganz okay. Wir haben die günstigste Version bestellt, also mit Plastikgehäuse und Gummiarmband. Für privat wäre es zu überlegen, eine Pebble Steel zu bestellen. Die Uhr ist überraschend leicht und lässt sich super bequem tragen. Selbst für mich, der sich mittlerweile an ein freies Handgelenk gewöhnt hat.

Inbetriebnahme

Aus dem Appstore lade ich die Pebble-App und versuche, eine Verbindung zwischen iPhone und Smartwatch herzustellen. Das klappt verblüffend problemlos und schon nach kurzer Zeit verrät mir ein überraschtes „huch“ von Thomas, der die Uhr gerade in der am Handgelenk trägt, dass sowohl die Kopplung als auch der testweise abgesandte Vibrationstrigger einwandfrei funktionieren.

Über den kleinen Appstore innerhalb der Pebble-App lassen sich schnell, einfach und schön gestaltet, kleine Anwendungen und Watchfaces installieren. Eine Art „Halde“ hält die letzten, von der Uhr deinstallierten Apps zum schnellen Wiederzugriff bereit.

Ich muss sagen, ich bin überrascht, wie umfangreich die Auswahl im Store ist – und natürlich alles kostenlos. Schnell ist auch ein passendes Watchface gefunden und installiert.

Nachdem der Store schon überzeugt hat, wenden wir uns der Uhr selbst zu.

Der Verzicht auf Touchscreen und die dadurch benötigten Buttons (drei rechts, einer links, darunter etwas Platz für das Ladekabel und den Daumen, um dem Druck auf die Tasten gegenwirken zu können) bringen verschiedene Reaktionen hervor. Ich finde es ganz angenehm, echte haptische Softkeys zu haben, da die Uhr so frei von Fingerabdrücken und ungewollten Interaktionen bleibt –Thomas findet die Lösung eher weniger überzeugend. Wie sich später im Praxistest herausstellt, haben wir beide ein bisschen Recht, da geht also noch mehr.

Das Display ist in der direkten Sonne und auch allgemein im hellen perfekt ablesbar, im Dunkeln schaltet ein Schütteln des Handgelenks die Hintergrundbeleuchtung zu. Auch hier von meiner Seite nichts zu meckern, außer dass gelegentlich ein Schütteln registriert wird, welches gar keins ist (Jacke anziehen, am Kopf kratzen…).

Praxistest

Zurück am Arbeitsplatz ziehe ich erst einmal die Uhr aus – nervt ja schon ein bisschen beim Tippen…

Aber nein, ich will mich noch einmal dran gewöhnen, also kommt die Pebble wieder ans Handgelenk und fängt sofort an im Minutentakt zu vibrieren. Und zwar so laut, dass der Bürokollege jedes Mal kurz verwundert aufschaut. Macht schon ganz schön krach, dieser kleine Vibrationsmotor. Ich überlege kurz, den Vibrationsalarm zu deaktivieren – aber irgendwie geht dann auch der Sinn des Ganzen etwas verloren, also müssen wir da jetzt durch.

Aber warum vibriert die Uhr so dermaßen oft? Die Lösung liegt in den Push Notifications des iPhone. Dort kann ich nämlich alle Events in verschiedenen Stufen einordnen. Nur im Sperrbildschirm, auf dem Sperrbildschirm, als Banner oder Dialog oder auch alles auf einmal lässt sich für jede App individuell zu- und abschalten.

Die Pebble empfängt aber schlichtweg alle Push Nachrichten, die es auf den Sperrbildschirm schaffen, und reagiert mit einer Anzeige und Vibration. Das wird sehr schnell sehr lästig, gerade da beispielsweise Facebook für jede Antwort auf einen Thread, den ich kommentiert habe, eine Notification abschickt. Als aktiver Facebook Nutzer kommt dies sehr häufig vor. Auf dem iPhone bei meiner Konfiguration eben still, auf der Uhr jedoch mit Vibration. Hier würde ich mir wünschen, die Apps konfigurieren zu können, die an die Pebble weitergeleitet werden. Für den ersten Tag beschließe ich jedoch, erst einmal zu sehen, ob ich mich daran gewöhne und gehe – vibrierend – in den Feierabend.

Außerhalb der Arbeit ist die Reaktion meines Umfelds gespalten zwischen: „Wie cool“ und „wie unnötig“. Das laute Vibrieren fällt bei einem normalen Geräuschpegel kaum auf, so dass sich dieser Punkt für mich ein klein wenig erledigt hat. Auf der Arbeit kann ich ja die Vibration ausstellen, da will ich ja sowieso nicht zu sehr abgelenkt sein. Ich ertappe mich außerdem dabei, immer wieder auf’s Handy zu schauen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob es aus Gewohnheit ist oder ob ich einfach nur prüfen will, ob die Pebble nicht doch eine wichtige Notification verpasst hat. Hat sie übrigens nicht. Noch nicht einmal.

Tag 2 – Notification-Terror

Am Abend von Tag 1 habe ich etwas Wichtiges festgestellt: Die Facbebook Aktivität meiner Seiten geht gegen Abend rapide nach oben – und jedes Mal vibriert mein Handgelenk. Die Idee, die Pebble einfach auszuziehen, erweist sich als nicht sonderlich klug, denn auf dem Couchtisch wird das Vibrieren noch verstärkt und fängt langsam an, richtig zu nerven. Nachdem die Uhr auch auf dem Nachttisch immer mal wieder kurz zu summen beginnt, richte ich mir eine Ruhezeit von 00:00-06:00 Uhr ein. Am Morgen von Tag 2 will ich das Problem dann doch angehen. Ich finde auch relativ schnell einen Workaround bzw. einen Kompromiss: Wollte ich nicht sowieso mal ein wenig Abstand von dieser ewigen Facebook-Suchterei nehmen? Kurzerhand deaktiviere ich auf dem iPhone alle Facebook Notifications. Nur der Messenger darf bleiben, da hält sich der Ereignis-Spam in Grenzen.

Die nächsten Tage sollten sich als eine Wohltat herausstellen. Wenn das Telefon mich nicht andauernd daran erinnert, „vergesse“ ich tatsächlich, Facebook alle paar Minuten zu checken. Danke Pebble – auch wenn dieser Gewinn – nüchtern betrachtet aus einem ziemlich großen Problem bei der Zusammenarbeit zwischen Uhr und Handy resultiert.

Ich beginne langsam, Vertrauen in die Uhr zu fassen und checke nicht mehr regelmäßig mein Handy – sehr cool. Der erste Anruf seit Besitz der Pebble kommt rein und ich verpasse, ihn anzunehmen, weil ich mich darüber wundere, dass ich Anrufe per Knopfdruck ablehnen oder annehmen kann. Ablehnen macht ja noch irgendwie Sinn, aber die Geräuschkulisse für das Gegenüber, wenn ich bei bereits angenommenem Anruf erst einmal das Handy aus der Tasche ziehen muss, stelle ich mir nicht grade schön vor. Andererseits wäre es auch seltsam, wenn ein Anruf die einzige Benachrichtigung wäre, die nicht angezeigt würde.

Thema verpasste Notifications: Irgendwie habe ich noch das mentale Modell im Kopf, dass die Anzeige der Uhrzeit nur ein Bildschirmschoner ist, der sich über alle Nachrichten legt. Ist natürlich nicht so, trotzdem versuche ich aber immer wieder instinktiv einen Kopf zu drücken um zurück zu den „wirklich wichtigen“ Informationen, also den Notifications zu kommen. Im Endeffekt sind es dann eben 2 Klicks mehr, denn die Funktionalität liegt im Menü sehr weit oben.

An die Bedienung über die Knöpfe hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Wenn man ein wenig Übung hat (was bei den minimalen Menüs und nur vier Knöpfen auch nicht schwer ist), erreicht man sein Ziel super schnell – ich behaupte sogar schneller als per Touch.

Tag 3 – Man gewöhnt sich aneinander

Mittlerweile habe ich die Schiftgröße der Notifications auf „klein“ gestellt. So sehe ich bei den meisten Nachrichten den wichtigsten Teil und kann entscheiden, ob ich reagieren möchte. Ich entscheide mich überraschenderweise meistens dafür, noch nicht zu reagieren und das iPhone erst aus der Tasche zu nehmen, „wenn’s sich lohnt“. Stichwort Stapelverarbeitung: Offenbar schafft es dieser kleine, schwarze Kasten tatsächlich innerhalb kürzester Zeit, ein Umdenken in meinem Kopf zu triggern, stelle ich wohlwollend fest.

Ich habe über die letzten Tage mehre Apps ausprobiert. Keine davon hat mich so wirklich überzeugt. Der Schrittzähler ist ganz nett, ich weiß allerdings noch nicht, wofür ich ihn verwenden sollte (so ein generelles Problem mit Schrittzählern…), Foursquare checkt mich ungefragt auf einem SPD-Parteitag ein (ich war beim Lasertag…) und viele der Fitness-Apps brauchen eine zusätzliche Pay-App oder sonstige Hardware, die dann über das iPhone mit der Pebble kommuniziert. Ich bin allerdings sowieso beim Sport meistens ohne Technik unterwegs, da ich auch gerne mal – im wahrsten Sinne des Wortes – abschalten möchte. Über den Sinn, Bilder auf dem winzigen Display in reinem S-W pixeln zu lassen, muss ich glaube ich keine Worte verlieren.

Zusammengefasst: beim Thema Apps ist sicherlich noch einiges drin, aber andererseits war das auch nicht meine Anforderung an das Gerät. Was ich jedoch gerne mal ausprobiert hätte wäre die Navi-Anzeige, die es leider nur für Android gibt.

Die Kollegen im Büro haben sich mittlerweile auch ein bisschen mehr an das Vibrieren gewöhnt. Scheint keinen mehr wirklich zu stören.

Tag 4 – Gewohnheit und kleinere Kritik

Zum ersten Mal habe ich mein iPhone zu Hause vergessen. Mit der Uhr am Handgelenk vergesse ich tatsächlich manchmal, dass ich das Handy ja auch noch brauche, um die Notifications zu empfangen und vor allem zu beantworten. Schlimm war es dann im Nachhinein nicht – man kommt überraschend gut ohne Handy aus und durch die Anzeige der Uhrzeit ist die Pebble ja auch nicht ganz nutzlos.

Langsam aber sicher gewöhne ich mich auch an das Gefühl, wieder eine Uhr zu tragen. Allerdings eher langsam als sicher…

Ein Punkt der mich immer mal wieder stört: Ich würde die Pebble gerne öfters mal schnell stumm schalten. Sei es beim Essen, beim Telefonieren oder spazieren – manchmal möchte ich einfach nicht gestört werden. Leider sind die Funktionalitäten für DnD und/oder Vibration deaktivieren relativ weit abseits untergebracht – ich muss insgesamt 8x auf einen Kopf drücken (Scrolling eingeschlossen). Hier würde ich mir einen Longtap oder etwas ähnliches zum schnellen Umschalten wünschen. (Ähnlich wie Beispielsweise der stumm/laut-Switch beim iPhone oder früher das lange drücken der *-Taste bei meinem uralten Siemens Handy).

Von den Personen in meinem Umfeld bemerkt initial niemand, dass ich eine Smartwatch trage und keine gewöhnliche Uhr. Erst bei Vibration und dem Blick aufs Display fällt die Pebble auf. Die erste Reaktion ist nach wie vor meistens: „Wie unnötig!“. Interessanterweise bleibt die Smartwatch dann oft noch eine Weile im Gespräch und irgendwann fällt der Satz: „Ist ja schon irgendwie cool, was kostet denn sowas?“.

Pebble Watface

Fazit

Natürlich trage ich die Uhr noch nicht lange genug, um ein abschließendes Feedback geben zu können. Mittlerweile vergangene fünf Tage sind eine kurze Zeit, in der ich mich aber schon mehr an das kleine Helferlein an meinem Handgelenk gewöhnt habe, als ich je gedacht hätte.

Was Thomas nach kurzer Zeit schon stört, ist dass das Armband immer wieder selbstständig aus der Schlaufe rausgeht und dass er beim Anziehen seiner Jacke mit der Seite der Uhr (da wo der Magnetstecker sitzt) im Einstiegsloch des Ärmels hängen bleibt. Das sind natürlich Probleme, die einem mit jeder Uhr passieren können, aber wenn man schon einmal beim Review ist, soll das nicht unerwähnt bleiben.

Die Pebble hat mir – durch das Abschalten vieler Notifications auf dem Handy, also eigentlich ein fehlendes Feature – viel Ruhe in den Alltag gebracht und meinen Handyverbrauch drastisch reduziert. Auch wenn die stetige Bluetooth Verbindung lt. Hersteller am Tag 5-10% Akku frisst, habe ich am Ende jedes Tages deutlich mehr Akku übrig, als es vorher der Fall war. Apropos Akku: ich habe die Uhr noch nicht einmal laden müssen!

Durch die kurzen Informationen direkt auf dem Display und vor allem die Unmöglichkeit, direkt mit den Nachrichten zu interagieren, ist die Motivation, bei jeder SMS noch mal schnell die anderen Netzwerke und Apps zu checken, quasi entfallen.

Von der Softwareseite aus gesehen ist die Pebble schlicht, elegant und liebevoll gestaltet. Die iPhone App ist clean, einfach und zielführend und hat visuell ein paar echt schöne Highlights zu bieten (Screenshot). Auch die Menführung innerhalb der Uhr ist sofort verständlich, wenn auch von dem ein oder anderen Problem geprägt (z.B. gibt es den Punkt „Notifications“ mit gleichen Icon auf erster Ebene, sowie unter dem Unterpunkt „Settings“, was gelegentlich zu kleinere Verwirrungen geführt hat). Abzüge gibt es außerdem für das App-Angebot im Store, welches noch keine für mich sinnvollen Apps bietet.

Sowohl für privat als auch für den industriellen Kontext scheint mir dieses überraschend robuste Produkt ein guter Kompromiss aus Leistung, Gewicht und Funktionalität zu sein – ich glaube, ich werde mir eine für den privaten Gebrauch bestellen.

Übrigens: Das Wort „unkommunikativ“ ist in der letzten Woche noch nicht einmal gefallen!


Es liegt ein Kommentar vor.

  1. Kampf ums Handgelenk: Die große Hoffnung auf die Smartwatch-Milliarden schrieb:

    […] ein hilfreicher Begleiter sein kann. Zu einem ähnlichen Urteil kommt Tobias Gölzer nach dem Test mit einer Pebble. Immerhin nach wenigen Tagen habe er sich an die E-Ink-Smartwatch gewöhnt, und sie habe vor allem […]


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