{"id":13694,"date":"2021-10-29T08:47:48","date_gmt":"2021-10-29T06:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.centigrade.de\/?post_type=blog&#038;p=13694"},"modified":"2021-11-15T14:19:46","modified_gmt":"2021-11-15T13:19:46","slug":"impact-driven-design-wie-auch-ux-professionals-diesen-planeten-retten-konnen","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/impact-driven-design-wie-auch-ux-professionals-diesen-planeten-retten-konnen\/","title":{"rendered":"Impact-Driven Design &#8211; Warum und wie UX Professionals diesen Planeten retten sollten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13695\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/UX-Designer-Arbeiten.jpg\" alt=\"UX Designer beim arbeiten\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/UX-Designer-Arbeiten.jpg 1000w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/UX-Designer-Arbeiten-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/UX-Designer-Arbeiten-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>Die \u00dcberschrift dieses Artikels steigt zugegebenerma\u00dfen recht episch ein. Allerdings f\u00e4llt mir eine schnelle Erl\u00e4uterung, was Impact-Driven Design mit der Rettung unseres Planeten zu tun hat, schwer. Zu viele Begriffe und Methoden gehen in der UX Community inzwischen durcheinander. Daher m\u00f6chte ich zun\u00e4chst mit ein wenig Begriffssch\u00e4rfung starten &#8211; man sehe es mir nach.<\/strong><!--more--><\/p>\n<h2>Von Kund:innen, Nutzer:innen und Menschen<\/h2>\n<p>Ich werde in meinen Trainings oft gefragt, was genau der Unterschied zwischen <strong>User Experience<\/strong> (UX) und <strong>Customer Experience<\/strong> (CX) ist. Oft h\u00f6rt man, CX sei eine Obermenge von UX. Das w\u00fcrde aber bedeuten: Jeder Benutzer ist immer auch ein Kunde &#8211; und das ist schlichtweg&#8230; <strong>falsch<\/strong>.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist leider etwas komplizierter:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Nicht jeder Kunde ist zwangsl\u00e4ufig auch ein Nutzer<\/strong>: im Maschinenbau werden Einkaufsentscheidungen sehr h\u00e4ufig vom strategischen Einkauf getroffen, der auf Basis harter Faktoren wie Preis oder Performanz entscheidet, ob z. B. eine Maschine angeschafft wird oder nicht. Dieser strategische Eink\u00e4ufer \u00fcbernimmt als Vertragspartner und Kaufentscheider also die Rolle des Kunden, wird aber ganz sicher nicht der sp\u00e4tere Bediener der angeschafften Maschine sein. Die UX der Maschine wird f\u00fcr ihn \u00fcberhaupt nur dann zum Entscheidungskriterium, wenn sein Unternehmen das Thema UX auch vorher zu einem strategischen Faktor erkl\u00e4rt hat.<\/li>\n<li><strong>Nicht jeder Nutzer ist zwangsl\u00e4ufig auch ein Kunde<\/strong>: wenn Kinder auf Netflix st\u00f6bern oder einen Film schauen, dann sind sie offensichtlich Netflix Nutzer:innen. Ein gutes Design entscheidet dann zum einen dar\u00fcber, ob die Kinder in der Lage sind, sich selbstst\u00e4ndig Zugang zu ihren Lieblingsfilmen verschaffen zu k\u00f6nnen und zum anderen, ob nicht-kindgerechte Inhalte gleichzeitig unzug\u00e4nglich bleiben. Die Kinder sind aber keineswegs die Kunden von Netflix, denn das Abonnement und die Steuerung des Zugangs erfolgt einzig \u00fcber die gesch\u00e4ftsf\u00e4higen Eltern (die in dem Fall sicherlich auch Nutzer:innen sind, jedoch nicht prim\u00e4r aus der Perspektive des geschilderten Nutzungsszenarios).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Warum ist eine Abgrenzung der beiden Disziplinen UX und CX also \u00fcberhaupt wichtig vor dem Hintergrund der Rettung unseres Planeten?<\/p>\n<p>Nun: Den Fokus auf die Nutzer:innen zu legen, ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ein ganzes St\u00fcck sinnbehafteter und nachhaltiger als durch das Bild &#8222;Mensch = zahlender Kunde&#8220; zu stark in den Sog eines rein monet\u00e4ren Ziels zu geraten. Allerdings kann und sollte sich auch UX nat\u00fcrlich nicht per se frei von monet\u00e4ren Vorteilen machen, sondern einfach etwas reflektiert sein, wenn es um die Diskrepanz zwischen Nutzerzielen und Unternehmenszielen geht. Um diesen Punkt zu sch\u00e4rfen, muss ich User Experience wiederum einteilen in <strong>passive User Experience<\/strong> und <strong>aktive User Experience<\/strong>.<\/p>\n<h2>Passive vs. aktive User Experience<\/h2>\n<p>Zur Erl\u00e4uterung: Leider geht es bei einem Gro\u00dfteil der uns dargebotenen digitalen Nutzungserlebnisse schlicht und einfach um den nackten Konsum. So stehen sich bei einem konsum-orientierten Produkt die Felder UX und CX zwar oft sehr nah, da es in erster Linie um einen Kaufabschluss geht, sie sind aber &#8211; wie am Netflix Beispiel zu beobachten &#8211; nicht zwangsl\u00e4ufig deckungsgleich. Und es geht mir auch nicht darum zu sagen, dass Konsum per se schlecht ist. Wer w\u00e4re ich, wenn ich Konsum verteufele, obwohl ich selbst in dieser Konsumgesellschaft meinen Platz einnehme?<\/p>\n<p>Viel schlimmer als die Konsumorientierung eines Produktes ist meiner Ansicht die damit oft verbundene Tendenz, den Produktzugang in Form <em>passiver<\/em> Nutzungserlebnisse zu gestalten. Passive Nutzungserlebnisse fu\u00dfen gemeinhin darauf, dass Nutzer:innen st\u00e4ndig neue Inhalte pr\u00e4sentiert werden, ohne ihnen auch nur ein F\u00fcnkchen ihrer menschlichen F\u00e4higkeiten abzuverlangen, ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Inhalte aufzubauen. Beispiele sind der &#8222;Jetzt kaufen&#8220; Button bei Amazon, unendliches Scrollen auf Instagram, oder quantifiziertes Liken auf TikTok.<\/p>\n<p>Bei der <em>aktiven<\/em> User Experience im Gegensatz dazu geht es darum, Produkterlebnisse zu schaffen, die eine direkte positive Auswirkungen auf pers\u00f6nliche Entwicklungsfortschritte der Nutzer:innen haben. Diese aktiven, produktiven oder kreativen Nutzungserlebnisse, verlangen Nutzer:innen zwar all ihre menschliche Geschicke und kognitiven F\u00e4higkeiten ab, wirken jedoch eher anspornend als belastend. Beispiele sind: ein extrem reduzierter Texteditor zum konzentrierten Verfassen eines <a href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/\">Blog Artikels<\/a>, eine mobile App zum Mixen eines Songs auf einer Zugfahrt oder ein HMI zum Steuern einer Produktionsmaschine &#8230; und fairerweise nat\u00fcrlich auch TikTok, wenn es darum geht, eigene Videos zu erstellen und zu bearbeiten.<\/p>\n<p>Um den Bogen zu spannen: sinnbehafter als CX ist UX also nur, insofern wir von der <em>aktiven<\/em> Form von Nutzungserlebnissen ausgehen, denn nur die aktive User Experience erm\u00f6glicht es Menschen, ihre eigenen Potenziale auszusch\u00f6pfen oder anderen Menschen die Entdeckung und Entwicklung ihrer eigenen Potenziale zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Gestaltung aktiver UX ist bei Centigrade daher bereits seit Langem die erstrebenswerteste Form von Design, denn: ist es nicht faszinierend, was Menschen in der Lage sind zu leisten, wenn sie von guten Werkzeuge unterst\u00fctzt werden?!<\/p>\n<h2>Motivation f\u00fcr &#8222;die richtigen Dinge&#8220;<\/h2>\n<p>Die aktive User Experience ist der passiven User Experience also gerade im Hinblick auf ur-menschliche Potenzialsch\u00f6pfung \u00fcberlegen. Aber was hat der Planet davon, wenn Menschen pers\u00f6nliche Entwicklungsfortschritte machen? Ist nicht gerade das Anstreben menschlicher Potenziale Grund f\u00fcr unseren Wachstumswahn und den damit verbundenen Ressourcenhunger verantwortlich?<\/p>\n<p>Da ist sicherlich etwas dran, aber ich w\u00fcrde nicht per se sagen, dass das ur-menschliche Streben nach pers\u00f6nlicher Entwicklung auf jeden Fall auch in der Ausbeutung des Planeten m\u00fcndet. Nachhaltiges Handeln kann meiner Ansicht nach <em>trotz<\/em> und in manchen F\u00e4llen sogar <em>wegen<\/em> des ur-menschlichen Strebens nach Weiterentwicklung gelingen.<\/p>\n<p>Aktive Nutzungserlebnisse m\u00fcssen dazu aber explizit auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Keine leichte Aufgabe f\u00fcr UX Professionals, da sie die Tendenz haben, den Menschen uneingeschr\u00e4nkt ins Zentrum des eigenen Designs zu stellen. Die &#8222;Mensch-Zentrierung&#8220; ist aktuell ja <em>das<\/em> Leitmotiv, an dem sich vermeintlich gutes Design misst &#8211; und wird in der heutigen Zeit immer mehr zum Problem.<\/p>\n<h2>Nachhaltigkeit <em>trotz<\/em> Mensch-Zentrierung?<\/h2>\n<p>Ich versuche, meinen Punkt an einem Beispiel zu konkretisieren: einen starken positiven Einfluss auf die aktive menschliche Weiterentwicklung hat in hohem Ma\u00dfe ausreichend Bewegung. Ausreichend Bewegung erlaubt es, effektiver auf die eigenen menschlichen Potenziale zuzugreifen. Wer sich mehr bewegt, ist auch konzentrations- und leistungsf\u00e4higer.<\/p>\n<p>Also darf und sollte man sich als mensch-zentriert denkender Gestalter:innen aktiver Nutzungserlebnisse die Frage stellen: Wie motiviert man Menschen dazu, sich mehr oder h\u00e4ufiger zu bewegen? Wenn <a href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/leistungen\/ux-design\">UX Design<\/a> dazu f\u00fchrt, dass Menschen weniger sitzen, dann klingt das zun\u00e4chst einmal uneingeschr\u00e4nkt positiv.<\/p>\n<h2>Mensch-Zentrierung einmal negativ gedacht<\/h2>\n<p>Aber nun ein einfaches Beispiel, an dem der positive Beiklang des Begriffes &#8222;Mensch-Zentrierung&#8220; unangemessen und auch die vermeintlich erstrebenswerte &#8222;aktive User Experience&#8220; in Punkto Nachhaltigkeit gar nicht mehr so erstrebenswert klingt: Gestaltet man eine digitale Plattform, auf der sie sich Menschen gemeinsam zu motivationsf\u00f6rdernden Face-to-Face Yoga Retreats treffen und anschlie\u00dfend sogar gemeinsam virtuell weiter\u00fcben k\u00f6nnen, dann entspringt diese Idee zweifelsohne mensch-zentriertem Denken und beschert zudem auch naturgem\u00e4\u00df mehr aktive als passive Nutzungserlebnisse.<\/p>\n<p>Wenn diese Menschen nun aber ins Flugzeug steigen, um per Billigflug m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig und schnell zur gemeinsamen Yoga Retreat Location zu gelangen, um dann anschlie\u00dfend auf einer PVC Yogamatte nach vier virtuellen \u00dcbungen die Lust zu verlieren und die Yogamatte schlie\u00dflich wieder auf den M\u00fcll werfen&#8230; nun, dann erscheint mensch-zentriertes Design aktiver Nutzungserlebnisse in einem ganz anderen Licht.<\/p>\n<p>Die Frage ist also: setzen wir die Nutzer:innen und damit den Menschen so sehr ins Zentrum, dass wir als UX Professionals unseren Anteil daran haben, wenn unser Planet weiterhin auf dem Abstiegskurs bleibt? Oder setzen wir alles daran, bereits im Kern unserer Gestaltungen zu \u00fcberlegen: &#8222;Welche Auswirkung wird unser Design auf die Nutzer:innen <em>und dar\u00fcber hinaus<\/em> haben.&#8220; M\u00fcssten wir also mit einer nachhaltigen und sinnhaften Gesinnung nicht eigentlich eher ein &#8222;Planet-centered Design&#8220; anstreben, da unser aller Planet doch letztlich unser wichtigster Stakeholder ist?<\/p>\n<h2>Von Customer, User und Planet Journeys<\/h2>\n<p>Denken wir diese Frage einmal anhand des im Experience Design \u00fcbergreifend popul\u00e4ren Begriffes der &#8222;Journey&#8220; weiter. Eine &#8222;Journey&#8220; beschreibt die Reise eines Stakeholders (sprich: Customer, User oder &#8230; Planet) in Bezug auf dessen Produkt-Touchpoints im zeitlichen Verlauf. Es erg\u00e4be sich dann folgende Analyse:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine <em>Customer<\/em> Journey ist weitestgehend zu Ende, wenn der Kunde das Produkt gekauft hat (in der Regel handelt es sich bei digitalen Plattformen meistens um ein zyklische Customer Journeys, die monatlich automatisch erneuert werden, aber im Wesentlichen geht es um Abschluss und Aufrechterhaltung einer vertraglichen und finanziellen Bindung). Um im Beispiel zu bleiben: gut ist aus Customer Journey Sicht, wenn immer mehr Menschen m\u00f6glichst jeden Monat zu immer mehr Yoga Retreats fliegen, denn das zeugt von einer starken Plattform-Bindung und sp\u00fclt kontinuierlich Abo-Geb\u00fchren in die Kasse. F\u00fcr das Unternehmen, welches PVC Yogamatten verkauft, ist es sogar noch einfacher: ist die Matte einmal verkauft, ist das in Bezug auf das Gesch\u00e4ftsmodell bereits ausreichend. Ob nach dem Kauf auch h\u00e4ufig auf der Matte trainiert wird oder nicht, ist zweitrangig.<\/li>\n<li>Eine <em>User<\/em> Journey ist weitestgehend zu Ende, wenn Nutzer:innen durch das Produkt ihre entsprechende ur-eigene Potenziale aussch\u00f6pfen konnten. In unserem Yoga Beispiel gibt es dabei im positiven Sinne keine Limitierung. Nur die eigene Motivation &#8211; oder der Einbruch dieser &#8211; entscheidet dar\u00fcber, wann die User Journey zu Ende ist. Je motivierender beispielsweise die virtuellen Yoga \u00dcbungen vermittelt werden, desto gr\u00f6\u00dfer die Chancen, dass die Abbruchrate der Nutzer:innen gering ist und je wahrscheinlicher ist es, dass die Face-to-Face Retreats als Motivationsfaktor weniger notwendig werden. Grunds\u00e4tzlich macht eine gute aktive UX also Reisen weniger n\u00f6tig, h\u00e4lt gleichzeitig die Motivation der Nutzer:innen aufrecht und wird dann in Verbindung mit einem Abo-Modell auch ein Garant f\u00fcr gesch\u00e4ftlichen Erfolg.<\/li>\n<li>Die <em>Planet Journey<\/em> endet erst, wenn der <em>Planet<\/em> mit einem Produkt oder Service vollst\u00e4ndig abgeschlossen hat. Auch wenn ein Produkt &#8211; wie z. B. unsere PVC Yogamatte &#8211; also schon l\u00e4ngst nicht mehr verwendet wird, sondern ungenutzt auf dem Schrotthaufen der Geschichte gelandet ist, hat der Planet weiterhin daran zu knabbern. Das gilt auch f\u00fcr <em>digitale<\/em> Produkte und Services, denn wenn wir mehr und mehr Fernreisen f\u00fcr den Ausbau unseres Wohlbefindens unternehmen, dann muten wir dem Planeten mehr zu als <em>vor<\/em> dieser Digitalisierung. Auch rein digitale Gestalter m\u00fcssen beim Planet-centered Design also die Planet Journey bis ganz zu Ende denken: inklusive nachhaltiger Produktion, ressourcenschonender Nutzung sowie r\u00fcckf\u00fchrbarer Stillegung. Leider kann sich der Planet als Stakeholder nicht sonderlich erkenntlich zeigen, beispielsweise indem er dem nachhaltig arbeitenden Design-Team einen extra Budgettopf f\u00fcr besonders nachhaltige UX Arbeit spendiert. Beim Return On Invest (ROI) &#8211; sprich aus Gesch\u00e4ftssicht &#8211; ist der nutzer-zentrierte oder gar kunden-zentrierte Ansatz also klar im Vorteil gegen\u00fcber des planet-zentrierten Ansatzes.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Impact-Driven Design<\/h2>\n<p>Die Schw\u00e4che des Planet-Centered Design Ansatzes liegt in der Zentrierung der Design-Strategie auf einen einzelnen monolithischen Stakeholder, der zwar durchaus ein berechtigtes Interesse an nachhaltigem Design hat, jedoch keine monet\u00e4ren Ressourcen besitzt und nur sehr tr\u00e4ge bzw. indirekt Feedback geben kann. Die Schw\u00e4che ist also die mangelnde Gesch\u00e4ftsorientierung.<\/p>\n<h2>Klingt positiv, kann auch negativ sein: Impact<\/h2>\n<p>Der Begriff &#8222;Impact&#8220; hat aus gesch\u00e4ftlicher Sicht gewisse Vorteile, denn jeder Business-denkende Projektunterst\u00fctzer ist sich der Tatsache bewusst, dass jedes Business einen messbaren &#8222;Impact&#8220; haben muss. Der Begriff muss nicht mehr eingef\u00fchrt werden. Der Business-Mensch m\u00f6chte am &#8222;Einschlag&#8220; seines Gesch\u00e4ftsmodells ablesen k\u00f6nnen, dass sein Business gekommen ist, um zu bleiben.<\/p>\n<p>Interessanterweise wird der Begriff des Impacts in der Business-Welt rein positiv konnotiert. Interessant deshalb, weil einer der ber\u00fchmtesten &#8222;Einschl\u00e4ge&#8220; der Geschichte ja letztlich durch einen gigantischen Meteoriten hervorgerufen worden ist, der dann letztlich die Dinosaurier ausgel\u00f6scht hat. Gerade wegen dieser positiv verkl\u00e4rten Beziehung zum Begriff &#8222;Impact&#8220; halte ich ihn aber f\u00fcr genau den richtigen, um sich dem Thema Design und Nachhaltigkeit bei gleichzeitigem Gesch\u00e4ftserfolg anzun\u00e4hern&#8230; denn er \u00f6ffnet T\u00fcren.<\/p>\n<p>Und es gibt weitere gute Gr\u00fcnde f\u00fcr den Begriff:<\/p>\n<ul>\n<li>Impact wird im Business schon seit je her gemessen und findet seinen Weg in die Business-Dashboards von Entscheidern und F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten. Die Br\u00fccke ist also bereits halb gebaut, wenn es darum geht, beispielsweise auch &#8222;Environmental Impact&#8220; als eine weitere KPI ins Business-Dashboard aufzunehmen. b) Viele Digital Design Professionals und UX Designer:innen kennen den Impact Begriff bereits aus ihren vorhandenen Methodenk\u00e4sten und m\u00fcssen sich somit nicht an einen neuen, weiteren Begriff gew\u00f6hnen c) Viele dieser Designer:innen werden sicherlich schnell aktiv werden k\u00f6nnen, wenn es darum geht, in einer entsprechenden &#8222;Impact Map&#8220; nicht nur positiven sondern auch <em>negativen<\/em> Impact aufzunehmen. Man schreibt ja in einer User Journey ohnehin bereits nicht nur positive Nutzererlebnisse auf, sondern eben auch die negativen (also Gains <em>und<\/em> Pains), warum also nicht auch negative &#8222;Environmental Impacts&#8220;?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Leitfrage bei der Design-Strategie lautet daher in Zukunft vielleicht immer weniger <em>&#8222;F\u00fcr wen machen wir Design und warum?&#8220;<\/em> (also <em>Zielgruppen-zentriert<\/em>) sondern eher <em>&#8222;Warum muss unser Design etwas bewirken und was?&#8220;<\/em> (also <em>Auswirkungs-getrieben<\/em>). Man k\u00e4me also zu einer Art <em>Impact-Driven Design<\/em>.<\/p>\n<h2>Theory of Change Framework<\/h2>\n<p>Um das Rad bei der Einf\u00fchrung eines Impact-getriebenen Designs nicht neu zu erfinden zu m\u00fcssen, kann man sich bestens beim &#8222;Theory of Change&#8220; Framework bedienen. Das Framework setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie man generell Ver\u00e4nderung herbeif\u00fchren kann. In diesem Fall ist die eingetretene und messbare Ver\u00e4nderung also gleichzusetzen mit dem Impact. Letzten Endes will Design ja auch nichts anderes als \u00c4nderung herbeif\u00fchren &#8211; oder tut es implizit, ohne es zu wollen. Das ist letztlich der Grund, warum Menschen ihre Daumen und Zeigefinger auf der Glasoberfl\u00e4che ihres Smartphones spreizen oder auf halb-leere Ketchup-Flaschen einpr\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Die Theory of Change sieht folgende Kette bei der Herbeif\u00fchrung von Ver\u00e4nderung vor:<\/p>\n<p><strong>Input <\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong> Activities <\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong> Output <\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong> Outcomes <\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong> Impact<\/strong><\/p>\n<p>Um zu strategischen Designentscheidungen zu kommen, kann man sich nun r\u00fcckw\u00e4rts innerhalb dieser Theory of Change Kette bewegen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Impact<\/strong>: Welche positive Ver\u00e4nderung m\u00f6chten wir erzielen? Welche negative Ver\u00e4nderung m\u00f6chten wir vermeiden?<\/li>\n<li><strong>Outcome<\/strong>: Welche Auswirkung k\u00f6nnte messbar beweisen, dass diese Ver\u00e4nderung stattgefunden hat oder verhindert worden ist?<\/li>\n<li><strong>Output<\/strong>: Welche Design-Artefakte und Arbeitsergebnisse m\u00fcssen wir liefern, um zur gew\u00fcnschten Auswirkung zu gelangen und diese zu messen?<\/li>\n<li><strong>Activities<\/strong>: Welche Design-Aktivit\u00e4ten f\u00fchren zu den gew\u00fcnschten Artefakten und Arbeitsergebnissen?<\/li>\n<li><strong>Input<\/strong>: Welche Probleme und Needs existieren, die wir durch Design beseitigen k\u00f6nnen?<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Entlang der der Theory of Change werden Designer kontinuierlich daran erinnert, dass ihr Design nicht nur mensch-zentriert sein sollte und aktive Nutzungserlebnissen zutage f\u00f6rdern sollte, sondern auch \u00fcber das Nutzungserlebnis der Nutzer:innen und den Lebenszyklus des Produktes hinaus positiv wirken muss. Durch die messbare Natur des &#8222;Impacts&#8220; ist die Br\u00fccke zum Gesch\u00e4ftserfolg geschlagen und impact-getriebene Designs werden eher erh\u00f6rt als traditionelle, rein mensch-zentrierte Designs. Impact-getriebene Messungen werden immer offensichtlicher zutage treten lassen, dass Menschen es eben auch zu einer pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung z\u00e4hlen, wenn sie selbst nachhaltiger handeln und denken. Impact-getrieben KPIs werden zeigen, dass eine Investition in ressourcenschonende virtuelle Nutzungserlebnisse mehr positiven Impact haben kann &#8211; sowohl aus Gesch\u00e4ftssicht als auch aus Nachhaltigkeitssicht &#8211; als eine Investition in rein physische, ressourcen-aufw\u00e4ndige Nutzungserlebnisse.<\/p>\n<h2>Verwandte Beitr\u00e4ge<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/episode\/4I69DcRcc6jwnmWP0AC2iK\">DDC Podcast &#8222;Planet-Centered Design vs. Impact-Driven Design&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/uxdesign.cc\/the-time-for-environment-centered-design-has-come-770123c8cc61\">Environment-Driven Design<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/uxdesign.cc\/your-next-persona-will-be-non-human-tools-for-environment-centered-designers-c7ff96dc2b17\">Non-Human Personas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/uxdesign.cc\/tools-for-environment-centered-designers-actant-mapping-canvas-a495df19750e\">Actant Mapping Canvas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/uxdesign.cc\/impact-driven-design-getting-the-results-you-want-392fabb095c8\">Impact-driven design<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.thersa.org\/globalassets\/pdfs\/reports\/rsa_from-design-thinking-to-system-change-report.pdf\">From Design Thinking to Systems Change<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir haben Dein Interesse geweckt? Schau Dir unsere <a style=\"color: #2d373b; text-decoration: underline;\" href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/leistungen\/uebersicht\">Leistungen<\/a> an!<\/strong><\/p>\n<span class='maxbutton-1-container mb-container'><a class=\"maxbutton-1 maxbutton maxbutton-ux-design-de\" title=\"UX Design\" href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/leistungen\/ux-design\"><span class='mb-text'>UX Design<\/span><\/a><\/span>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"template":"","tags":[878,879,742],"class_list":["post-13694","blog","type-blog","status-publish","hentry","tag-customer-experience","tag-impact-driven-design","tag-user-experience-design"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/13694","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/13694\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14195,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/13694\/revisions\/14195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}