{"id":2940,"date":"2012-07-31T14:10:14","date_gmt":"2012-07-31T12:10:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.centigrade.de\/blog\/en\/?p=2940"},"modified":"2012-08-03T09:46:20","modified_gmt":"2012-08-03T07:46:20","slug":"und-taeglich-gruest-das-interface","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/und-taeglich-gruest-das-interface\/","title":{"rendered":"Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Interface"},"content":{"rendered":"<p>In meinem letzten Blog ging es um Piktogramme, <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/piktogrammeder-neue-letzte-schrei-im-icon-design\/\">dem neuen letzten Schrei beim Icon Design<\/a>. Erinnern Sie sich? Ach, bestimmt tun Sie das, der Artikel war schlie\u00dflich h\u00f6chst interessant, unglaublich wichtig und schrecklich lehrreich \u2013 und nat\u00fcrlich kein bisschen langatmig. Nun ja. Sagen wir einfach er war recht formal und akademisch. Heute, meine lieben Leserinnen und Leser werde ich etwas emotionaler sein \u2013 eigentlich sogar viel emotionaler. Warum? Weil ein schlechtes User Interface Design einen in den Wahnsinn treiben kann.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEiner meiner Hauptgr\u00fcnde, einen beruflichen Weg ins User Interface Design einzuschlagen, war mein Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber schlecht benutzbaren allt\u00e4glichen Gegenst\u00e4nden im Allgemeinen und User Interfaces im Besonderen. Nicht nur im Sinne von Computern, Maschinen und technologischen Ger\u00e4ten per se, sondern auch in Sinne von \u2013 nun, im Sinne von praktisch allem. St\u00e4ndig optimierte ich vor meinem geistigen Auge alle m\u00f6glichen Ger\u00e4te und Interfaces. Vermutlich werden Sie mir zustimmen, dass alles, was zu einem gewissen Zeitpunkt erfunden und f\u00fcr den Gebrauch durch Menschen ausgestaltet wurde, sich im weitesten Sinne als \u201eUser Interface\u201c beschreiben l\u00e4sst \u2013 wie Kaffeemaschinen, Emailprogramme, das neue iPad oder ein Bleistiftanspitzer. Jemand hatte eine Idee, erweckte sie zum Leben und entwickelte sie weiter zu dem entsprechenden Hard- oder Softwareprodukt, das wir heute benutzen \u2013 w\u00e4hrend er die ganze Zeit Entscheidungen bez\u00fcglich Funktion, Aussehen, Usability und vielen anderen Punkten traf. Nur, dass es einem \u00f6fter mal so vorkommt, als w\u00e4re die Benutzbarkeit nicht unbedingt als Kriterium ernstgenommen worden.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erz\u00e4hlen. Anekdoten aus meinem t\u00e4glichen Leben, obwohl sicherlich das Ged\u00e4chtnis seinen Teil zum Grad an Dramatik beigetragen hat \u2013 und ich mir die k\u00fcnstlerische Freiheit herausnehmen werde, sowohl Ort als auch Zeit zum Wohle des Lesevergn\u00fcgens ein wenig zu manipulieren.<\/p>\n<h3>Montagmorgen<\/h3>\n<h4>Wieso schaffen wir es, spektakul\u00e4re Raketen zu bauen, um auf den Mond zu fliegen, aber nicht, unsere Milch funktional zu verpacken?<\/h4>\n<p>Die Firma Tetra Pak, die seit 1951 das Abf\u00fcllen von nicht-sprudelnden Getr\u00e4nken revolutioniert hat, verkauft allein in Deutschland im Jahr bis zu 4,9 Milliarden Getr\u00e4nkekartons. Und wenn man sich in unseren Superm\u00e4rkten umschaut, scheinen sie auf ihrem Gebiet doch eine rechte Monopolstellung einzunehmen. Da ich den Gedanken ganz sch\u00f6n finde, meine Vitamine und Mineralstoffe in einer licht-undurchl\u00e4ssigen, angeblich komplett recycelbaren und dazu auch noch wunderbar stapelbaren Verpackung nachhause tragen zu k\u00f6nnen, habe ich da gar nichts dagegen. Allerdings habe ich schon etwas dagegen, wenn ich die Verpackung dann nicht wie vorgesehen \u00f6ffnen kann \u2013 und zum Beispiel der Deckel nicht seine Funktion erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Darf ich vorstellen, meine Milch:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Milchkarton mit Deckel\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Milch1.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>In den letzten Jahren hat sich das visuelle Design der Verpackung das eine oder andere Mal ge\u00e4ndert, obwohl leider nicht immer zum Besseren \u2013 ein visueller Neuanstrich erzielt bekanntlich nur dann die erhoffte Wirkung, wenn auf jedem Schritt des Weges der Aspekt der Nutzbarkeit im Auge behalten wird \u2013 die Verpackung selbst aber blieb bis zur jetzigen Neuerung dieselbe: ein breiterer Deckel. Das ist eigentlich auch eine sehr gute Idee, da die Luft durch eine breitere \u00d6ffnung besser ins Innere des Kartons str\u00f6men kann, um das Volumen der herausflie\u00dfenden Fl\u00fcssigkeit zu ersetzen. Das verhindert zuverl\u00e4ssig den unsch\u00f6nen Effekt mancher Verpackungen, beim Eingie\u00dfen zu schwappen und zu spritzen. Finde ich super! Andere Milchproduzenten haben ihre Verpackungen ebenfalls umgestellt:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Vergleich alter schmaler Deckel, neuer breiter Deckel\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Milch22.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>Schade ist nur, dass man bei meiner Lieblingsmilch gar nicht dazu kommt sich \u00fcber die breitere \u00d6ffnung zu freuen. Das l\u00e4uft dann ungef\u00e4hr so ab:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1083\" title=\"Milchkarton mit Lasche\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Milch3.jpg\" alt=\"Milchkarton mit Lasche\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8222;Ach schau, ich muss nur an der Lasche ziehen, um den Karton zu \u00f6ffnen.&#8220;<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Milchkarton mit abgerissener Lasche\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Milch4.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201c<em>Oje, jetzt hab\u2019 ich sie abgerissen! Was nun? Vielleicht kann man es ja eindr\u00fccken, das geht bei anderen Tetra Pak Verpackungen auch\u2026. Nein, das kann man nicht. Na dann muss ich es halt aufschneiden\u2026.<\/em>\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Milkcarton with ruined opening\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Milch5.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201c<em>!*%&amp;!!<\/em>\u201d<\/p>\n<\/div>\n<h3>Immer noch Montagmorgen<\/h3>\n<h4>Wieso \u00fcber ein paar Use Cases nachdenken, wenn es Menschen gibt, die den Job der Automaten ohnehin besser erledigen k\u00f6nnen?<\/h4>\n<p>Die versch\u00fcttete Milch von meiner Arbeitsfl\u00e4che wischend trank ich also meinen Kaffee schwarz und machte mich dann auf den Weg zum Bahnhof. W\u00e4hrend ich mir, dort angekommen, ein Ticket kaufte, fiel mir das neue User Interface des Ticketautomaten ins Auge \u2013 und gleichzeitig trat mir die Gelegenheit ins Ged\u00e4chtnis, zu der ich einmal mutig genug war, die Express-Kauf-Funktion zu benutzen. Damals hatte ich noch buchst\u00e4bliche 30 Sekunden, um eine Karte zu kaufen und den Zug zu erwischen. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, so ein abgek\u00fcrzter Prozess! Au\u00dfer, wenn in diesem Modus der Ablauf dadurch beschleunigt wird, zuerst zwei oder drei Papierk\u00e4rtchen mit Werbung zu drucken, dann eins mit Reiseinformationen, dann zwei Belege und dann erst das Ticket!<\/p>\n<p>Ja, Sie raten richtig. Eigentlich brauchte ich nur das Ticket, aber den Zug habe ich nat\u00fcrlich nicht mehr erwischt. Stattdessen holte ich mir noch einen Kaffee \u2013 diesmal mit Milch \u2013 und beobachtete zun\u00e4chst mit Verwirrung, danach mit Verz\u00fcckung die \u201eFahrkarten-Guides\u201c an den Ticketautomaten. Die zu diesem Zeitpunkt neuen User Interfaces der Fahrkartenautomaten waren erst k\u00fcrzlich eingef\u00fchrt worden und hatten einen einzelnen ganz speziellen Effekt: die Bahngesellschaft musste pro Ticketautomaten einen Mitarbeiter abstellen, der die Kunden durch den Kaufprozess navigieren sollte. Sieht sonst noch jemand das Problem bei diesem Plan? Naja, ok, das war gemein. Schlie\u00dflich haben sie es selbst erkannt und jetzt, eine Generation von Fahrkartenautomat Interfaces sp\u00e4ter, ist es in der Tat m\u00f6glich, schnell und effizient ein Ticket zu ziehen. Leider wird immer noch die ABC-Tastatur benutzt, statt auf die wesentlich weiter verbreitete und damit gewohntere QWERTZ-Tastatur umzustellen (wobei das nur meine eigene, bescheidene Meinung zur Diskussion um QWERTZ, ABC und Dvorak darstellt). Naja, man kann halt nicht alles haben.<\/p>\n<h3>Montagmittag<\/h3>\n<h4>Alte Generationen, neue Generationen und der Kreislauf des Lebens<\/h4>\n<p>Als mir damals Werbung statt einem Ticket ausgedruckt wurde und ich darauf hin meinen Zug verpasste war ich zumindest selbst daran schuld gewesen, \u00fcberhaupt erst zu sp\u00e4t zum Bahnhof zu kommen &#8211; wobei  der Fahrkartenautomat mir in meiner Situation trotz \u201eExpress\u201c Funktion auch nicht wirklich weiter half. Heute war ich dagegen aufgrund der Aversion eines Produktdesigners gegen Usability Tests zu sp\u00e4t am Bahnhof, und das \u00fcberarbeitete Fahrkartenautomat Interface rettete mich vor einer Wiederholung meines damaligen Schicksals. Obwohl dieser Umstand irgendwie das Gleichgewicht im Universum wiederherzustellen schien, ist unsere pers\u00f6nliche Gem\u00fctsruhe wohl doch zu gr\u00f6\u00dferen Teilen von der Benutzbarkeit ganz allt\u00e4glicher Dinge abh\u00e4ngig. Dar\u00fcber unterhielt ich mich im Zug dann auch mit meinem Kollegen. Genauer gesagt verglichen wir Usability Schnitzer unserer bisherigen Mobiltelefone. Ach, und mein Kollege war \u00fcbrigens auch zu sp\u00e4t dran.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Motorola2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2928\" title=\"Motorola2\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Motorola2.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"202\" \/><\/a>Bei ihm hatte das in direktem Zusammenhang mit seinem Handy gestanden \u2013 sein morgendlicher Wecker war nicht angesprungen. Mein altes Motorola Handy mit seinen Hardware Kn\u00f6pfen, der schrecklichen Aufl\u00f6sung und den noch schrecklicheren Klingelt\u00f6nen schaffte es immer, noch einmal anzugehen um p\u00fcnktlich den Weckalarm erklingen zu lassen, selbst wenn der Akku schon lange leer war und sich das Telefon bereits selbst ausgeschaltet hatte. Die neuen Smartphones erweisen einem diese Ehre allerdings nicht mehr, und das, obwohl ihre Batteriezyklen bei weitem k\u00fcrzer sind.<\/p>\n<p>Eins muss man ihnen, ob alt oder neu, aber lassen: gegen das Ausgehen wehren Sie sich nach Leibeskr\u00e4ften. Als ob das allein nicht die letzten Batterie-Reste aufbrauchen w\u00fcrde. Mein altes Motorola piepste beispielsweise so lange dreist vor sich hin, bis ich von meinem Sofa aufstand und es an den Strom h\u00e4ngte. Naja, wenn man schon gehen muss, dann wohl lieber mit einem Knall, was?<\/p>\n<p>Dreist-vor-sich-hin-piepsen hatte dann auch meine Waschmaschine f\u00fcr sich entdeckt, und das, obwohl es nicht mal um Leben oder Tod ging, sondern nur um die Aufforderung, die W\u00e4sche nun bitte in den Trockner umzur\u00e4umen. Unglaublich, oder? Die Maschine zwang mich tats\u00e4chlich, zu unterbrechen was ich gerade tat, aufzustehen und sie auszuschalten. Und was war eigentlich, wenn ich gar nicht zuhause war, um sie f\u00fcr ihre gute Arbeit zu loben? Dann machte sie wahrscheinlich meine Nachbarn verr\u00fcckt \u2013 denn sie h\u00f6rte nicht auf zu piepsen. Niemals. Nur auf Knopfdruck.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns aber zum Thema zur\u00fcckkehren, genauer gesagt zu dem von mir und meinem Kollegen gek\u00fcrten Gewinner in der Kategorie Smartphone Usability Schnitzer: die eigentliche Hauptfunktion des Ger\u00e4ts nicht nutzen zu k\u00f6nnen \u2013 das Telefon. Und der ungl\u00fcckliche Gewinner in dieser Kategorie? Das Android HTC Desire HD:<\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor Sie sitzen im Bus und h\u00f6ren ein H\u00f6rbuch auf ihrem Mobiltelefon. Weil Sie ja ein r\u00fccksichtsvoller Mensch sind, der seine Mitmenschen nicht mit einem klingelnden Handy \u00e4rgern m\u00f6chte (und Sie sich au\u00dferdem noch an die Gelegenheit erinnern, zu der Sie das Handy auf \u201eLaut\u201c hatten und es Ihnen ihren Klingelton in sprichw\u00f6rtlich ohrenbet\u00e4ubender Lautst\u00e4rke ins Ohr schrie), haben Sie das Ger\u00e4t auf \u201eVibrieren\u201c gestellt. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter f\u00e4llt Ihnen dann aber auf, dass Sie in der Zwischenzeit sechs Anrufe erhalten haben. Und verpasst haben. Und das, obwohl Sie versprochen hatten, den ganzen Tag erreichbar zu sein. K\u00f6nnen Sie das fassen? Ich auch nicht. Und mein Kollege auch nicht. Das Handy vibrierte tats\u00e4chlich fr\u00f6hlich in meiner Tasche vor sich hin, w\u00e4hrend mein H\u00f6rbuch (auf demselben Ger\u00e4t!) einfach weiter lief. Was nicht der Fall ist, wenn man das HTC auf \u201eLaut\u201c stellt. Dann schreit es einem n\u00e4mlich lieber ins Ohr. Sieht jemand das Problem in diesem Plan?<\/p>\n<h3>Montagnachmittag<\/h3>\n<p>Zumindest die Pr\u00e4sentation bei unserem Kunden lief super. Wahrscheinlich, weil wir clever genug waren, nicht mit <em>Prezi<\/em> zu arbeiten.<\/p>\n<h3>Montag sp\u00e4ter Nachmittag<\/h3>\n<h4>Gruppierung!<\/h4>\n<p>Nach einer weiteren sehr unterhaltsamen Zugfahrt kam ich wieder am heimischen Bahnhof an. Da ich ja am Morgen Milch versch\u00fcttet hatte, daraufhin meinen Bus verpasst und dann mit dem Auto zum Bahnhof gefahren war, musste ich dieses nun vom Park&amp;Ride Parkplatz holen.<\/p>\n<p>Leuten dabei zuzusehen, wie sie am Parkscheinautomat ihre Parktickets bezahlen, kann genauso am\u00fcsant sein, wie die Bahn-Guides bei ihren Erkl\u00e4rungen zum Ticketkauf zu beobachten. Ich glaube aber, dass das dem Menschen, der die Parkautomat Interfaces entworfen hat, noch nie aufgefallen ist. Sonst w\u00e4ren die bestimmt besser. Dabei ist der Ablauf ja gar nicht mal so schwierig: man steckt sein Ticket in den ersten Kartenschlitz, wartet, bis einem das Display sagt, wie viel Geld man in den zweiten Schlitz stecken soll, das tut man dann, und dann bekommt man sein Ticket zur\u00fcck. So viel zur Theorie. Zugegebener Weise sieht die Praxis etwas komplizierter aus. Der kultivierte Benutzer von heute m\u00f6chte n\u00e4mlich zu jedem Zeitpunkt mit jedem menschenm\u00f6glichen Zahlungsmittel zahlen k\u00f6nnen. Ich bin da keine Ausnahme. Also bedarf es der Anbringung von Schlitzen f\u00fcr M\u00fcnzen, Banknoten, Kreditkarten und am besten noch EC-Karten. Das macht es tats\u00e4chlich etwas komplizierter. Aber ist das nicht auch der Punkt, an dem User Interface Design ansetzen sollte, um Komplexit\u00e4t zu vermeiden? Als die folgende Maschine entworfen wurde, war das sicherlich nicht der Fall (obwohl mir sogar schon schlimmere begegnet sind):<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Parkticketautomat\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Parkautomat11.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>Zumindest hat man sich hier um eine gewisse Gruppierung bem\u00fcht, und das Anzeigen des Betrages nach Einschieben der Karte vom eigentlichen Bezahlen getrennt. Sehen Sie die Gruppierung? Die d\u00fcnne wei\u00dfe Linie in der Mitte?<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Parkticketautomat Nahaufnahme mit Gruppierung\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Parkautomat22.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>Wie, Sie denken das reicht nicht aus? Ja daf\u00fcr gibt es da noch die blinkenden Pfeile (z.B. den gelben unter dem Display), die einen in die richtige Richtung weisen:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Parkticketautomat Nahaufnahme mit gelben Pfeilen\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Parkautomat3.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>(Fragt sich wof\u00fcr der zweite Pfeil unter dem Ticketschlitz ist?) Nur dass die beiden blauen Pfeile (links) gleich anfangen werden abwechselnd zu blinken. Um den Benutzern zu signalisieren, dass verschiedene Zahlungsmittel gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Parkticketautomat Nahaufnahme mit blauen Pfeilen\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Parkautomat4.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>Und ich dachte man soll die Aufmerksamkeit der Nutzer Schritt f\u00fcr Schritt lenken, statt sie aktiv zu verwirren\u2026..<\/p>\n<p>Wobei man an den Punkt mit den blauen Pfeilen ja auch erst einmal kommen muss \u2013 da muss man es vorher n\u00e4mlich geschafft haben, das Ticket richtig herum in den Schlitz zu schieben. Daf\u00fcr gibt es schlie\u00dflich immer vier M\u00f6glichkeiten, meines Wissens nach aber bisher immer noch kein Piktogramm, dass jeden Zweifel ausr\u00e4umen w\u00fcrde (eine kleine Einf\u00fchrung dazu gibt es wie bereits erw\u00e4hnt im <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/piktogrammeder-neue-letzte-schrei-im-icon-design\/\">Blog zu Piktogrammen<\/a>).<\/p>\n<h3>Montagabend<\/h3>\n<h4>Der Kreis schlie\u00dft sich<\/h4>\n<p>Sie fragen sich vielleicht bereits, welchen Leckerbissen ich mir f\u00fcr mein gro\u00dfes Finale in dieser Reihe aufgehoben haben k\u00f6nnte. Der Kreis schlie\u00dft sich \u2013 wir sind wieder bei Verpackungsmaterialien.<\/p>\n<p>Als ich an diesem Abend endlich nachhause und meinen Gartenweg hinauf kam, lief ich meinem Nachbarn in die Arme. Ich lief ihm nicht wirklich in die Arme \u2013 ich konnte ihn viel mehr schon von weitem fluchen h\u00f6ren.  Zu seiner Verteidigung, normalerweise ist er die H\u00f6flichkeit in Person. Nicht so an diesem Abend, das Leben hatte ihm einen \u00fcblen Trick gespielt:<\/p>\n<div class=\"Center\"><img decoding=\"async\" title=\"Papier-Biomuellbeutel mit gerissenem Boden\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Biomuell2.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<p>Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt muss ich die Situation wahrscheinlich nicht erkl\u00e4ren. Mache ich aber trotzdem: was sie hier sehen sind die \u00dcberreste des Biom\u00fclls meines sehr gesundheitsbewussten Nachbarn. Weil er zus\u00e4tzlich auch sehr umweltbewusst ist, kauft er biologisch abbaubare Biom\u00fcllbeutel um darin seine zersetzbaren Essensreste zur daf\u00fcr vorgesehenen M\u00fclltonne zu tragen. Das Problem ist nur, der Boden dieser T\u00fcte scheint schnell und gerne nachzugeben. Wieso das nicht passieren sollte, werde ich jetzt aber wirklich nicht mehr erkl\u00e4ren. Doch wie Jonas (sein <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/user-interface-architectures-vier-gemeinsamkeiten-von-architektur-und-interface-design\/\">Blog \u00fcber User Interface Architectures<\/a> war sehr interessant zu lesen!) es so sch\u00f6n ausdr\u00fcckte, die Produzenten der recycelbaren Papiert\u00fcten gehen bestimmt davon aus, dass man eine Aluminium Schale in die T\u00fcte legt, bevor man seien zersetzbaren Biom\u00fcll reintut.<\/p>\n<h3>Schluss<\/h3>\n<p>Ok, das hat jetzt wirklich Spa\u00df gemacht. Denn egal wie sehr ich auf jeden einzelnen dieser Vorf\u00e4lle h\u00e4tte verzichten k\u00f6nnen, erinnern sie mich doch jedes Mal an die Gr\u00fcnde, aus denen ich dieses Berufsfeld gew\u00e4hlt habe \u2013 und konsequenterweise auch daran, dass ich da ziemlich richtig bin \u2013 es scheint ja noch \u2018ne Menge Arbeit f\u00fcr uns zu geben.<\/p>\n<p>Andererseits muss man sich aber immer wieder ins Ged\u00e4chtnis rufen, dass ein unzureichendes  User Interface Design negative Auswirkungen auf seine Benutzerinnen und Benutzer hat, da sie ihr schlechtes Zurechtkommen als pers\u00f6nliche Niederlage erleben.<\/p>\n<p>Seit ein paar Monaten scheinen alle \u00fcber User Experience zu reden, und wie wichtig sie f\u00fcr Kaufentscheidungen, Verkaufszahlen und Marketing Strategien ist. Das mag sein. Ich bin selber ein gro\u00dfer Fan von User Interfaces, die Spa\u00df machen. Wer nicht? Bevor wir uns aber der User Experience zuwenden, sollten wir da nicht einen Schritt zur\u00fcck nehmen, und uns zuerst um die generelle Benutzbarkeit  k\u00fcmmern? Denn Usability kann die Welt zu einem sch\u00f6neren Ort machen. Sie glauben mir nicht? Dann scrollen Sie doch noch einmal hoch und sehen sich noch einmal die Bilder an.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">All trademarks and product names used on this website are the properties of their respective owners and are used solely for descriptive purposes. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">Tetra Pak ist eine Marke oder eingetragene Marke der Tetra Laval Holding &amp; Finance S.A. in der Schweiz und\/oder anderen L\u00e4ndern. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">Android ist eine Marke oder eingetragene Marke der Google Inc. in den USA und\/oder anderen L\u00e4ndern. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">HTC Desire HD ist eine Marke oder eingetragene Marke der HTC Corporation in Taiwan und\/oder anderen L\u00e4ndern. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">Prezi ist eine Marke oder eingetragene Marke der Prezi Inc. in den USA und\/oder anderen L\u00e4ndern. <\/span><\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":0,"template":"","tags":[100,74,106,102],"class_list":["post-2940","blog","type-blog","status-publish","hentry","tag-design-prozess","tag-usability-de","tag-use-cases-de","tag-user-interface-design-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/2940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/2940\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}