{"id":3993,"date":"2013-07-17T12:41:21","date_gmt":"2013-07-17T10:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.centigrade.de\/blog\/en\/?p=3993"},"modified":"2020-04-15T08:54:06","modified_gmt":"2020-04-15T06:54:06","slug":"gamification-als-designprozess","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/gamification-als-designprozess\/","title":{"rendered":"Gamification als Designprozess"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Game-Based Learning (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Digital_Game-based_Learning\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eGame-Based Learning\u201c<\/a>, <a title=\"Serious Games (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Serious_Games\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSerious Games\u201c<\/a>,<a title=\"Games with a Purpose (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Game_with_a_purpose\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eGames with a Purpose\u201c<\/a> und \u201eGamification\u201c\u2013 die Liste der Konzepte mit denen sich die Erwartung verbindet das Potenzial der Spiele auch in anderen Anwendungskontexten zu nutzen ist lang. Alle Konzepte eint die Idee mit Spielen, ihren Technologien oder Mechanismen Mehrwerte zu erzielen, die \u00fcber den reinen Unterhaltungszweck hinausgehen. Doch l\u00e4ngst nicht alle Erwartungen werden erf\u00fcllt, die durch die Konzepte geweckt werden. Viele Projekte scheitern an der Unvereinbarkeit von Spiel und seri\u00f6ser Anwendung und oft zeigt sich, dass der Aufwand diese Vereinigung einzugehen so hoch ist, dass er sich wirtschaftlich nicht lohnt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dennoch gab es in den vergangenen Jahren immer wieder herausragende Beispiele, die das vermutete Potenzial best\u00e4tigen: Das Serious Game <a title=\"Re-Mission Spiel\" href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20160308010654\/http:\/\/www.hopelab.org\/our-research\/re-mission-outcomes-study\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eRe-Mission\u201c<\/a>, welches krebskranke Kinder w\u00e4hrend ihrer Behandlung durch Steigerung der Motivation und der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit unterst\u00fctzt und damit <a title=\"Forschungsartikel zum Erfolg von Re-Mission\" href=\"http:\/\/pediatrics.aappublications.org\/content\/122\/2\/e305.full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nachweisbar die Akzeptanz der Behandlung und dadurch auch die Lebenserwartung steigert<\/a>. Das Spiel <a title=\"PeaceMaker Spiel\" href=\"http:\/\/www.peacemakergame.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201ePeaceMaker\u201c<\/a>, welches auf den realen Geschehnissen des Pal\u00e4stina-Konflikts aufbaut und dem Spieler die M\u00f6glichkeit gibt den Konflikt aus beiden Seiten zu erleben. Das Puzzlespiel <a title=\"Foldit Spiel\" href=\"http:\/\/fold.it\/portal\/\">\u201eFold-it\u201c<\/a>, in dem die Spieler komplexe medizinische Herausforderungen meistern, an denen Hochleistungsrechner scheitern und von denen u.a. die Krebs- und <a title=\"Foldit Forschungsdurchbruch\" href=\"http:\/\/news.cnet.com\/8301-27083_3-20108365-247\/foldit-game-leads-to-aids-research-breakthrough\/\">HIV-Forschung profitiert<\/a>.<\/p>\n<h3>Das Konzept \u201eGamification\u201c<\/h3>\n<p>Hinter dem Begriff \u201eGamification\u201c verbirgt sich kein grunds\u00e4tzlich neues Konzept. Gamification beschreibt die Integration von Spielelementen und \u2013mechanismen in einen spielfremden Kontext und greift viele Gedanken aus den zuvor genannten Bereichen auf. Gamification konzentriert sich auf die Optimierung der Benutzermotivation, der Kundenbindung, der Steigerung des Return on Investment (ROI) oder der Verbesserung der Datenqualit\u00e4t oder eines Lernerfolgs (<a title=\"Gamification Definition\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gamification\">Wikipedia<\/a>).<\/p>\n<p>Der Begriff Gamification suggeriert eine einfache Integration von Spielelementen in spielfremde Anwendungen. Leider wird Gamification auch h\u00e4ufig auf diese Art und Weise interpretiert und angewandt: Einem fertigen Produkt oder einem bestehenden Prozess werden nachtr\u00e4glich Punktelisten, Highscore-Tabellen oder Badges (virtuelle Auszeichnungen) hinzugef\u00fcgt. Doch es zeigt sich in vielen Anwendungen, dass ein einfaches Hinzuf\u00fcgen dieser Spielelemente nicht das durch Gamification erhoffte Potenzial entfaltet.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es zahlreiche Dienstleister, die sich auf die oberfl\u00e4chliche Anreicherung von Systemen durch das Vergeben von Punkten, Badges und Highscore-Listen konzentrieren. Diese sehr einfache und kosteng\u00fcnstige Integration der Spielelemente steht in der Kritik, weil sie h\u00e4ufig nicht dem Prozess oder dem Anwendungskontext gerecht wird, weil keine oder nur geringe Aufw\u00e4nde unternommen werden, um vor der Integration die Anforderungen der Nutzer, Prozesse oder des Anwendungskontextes zu ermitteln. Dadurch wirken die Spielelemente in einigen F\u00e4llen wie Fremdk\u00f6rper und sind dadurch zum Scheitern verurteilt. Das Marktforschungsunternehmen <a title=\"Gartner Research\" href=\"http:\/\/www.gartner.com\/newsroom\/id\/2251015\">Gartner sch\u00e4tzt<\/a>, dass \u00fcber 80% aller Gamification-Integrationen sich nicht am Markt behaupten k\u00f6nnen, da sie nicht ausreichend an die Anforderungen angepasst wurden.<\/p>\n<p>Dabei gibt es einige Gegenbeispiele, die das Potenzial von Gamification aufzeigen. Die Anwendung <a title=\"Superbetter Anwendung\" href=\"https:\/\/www.superbetter.com\/about\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSuperbetter\u201c<\/a> von der Game Designerin Jane McGonigal schafft Motivation f\u00fcr die Erledigung von Zielen durch die spielerische Einbindung von Freunden. Die mobile Anwendung <a title=\"Zombies, Run! Spiel\" href=\"https:\/\/www.zombiesrungame.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eZombies, Run\u201c<\/a>\u00a0nutzt ein interaktives H\u00f6rspiel, um Laufsportlern zus\u00e4tzliche Motivation zu verschaffen und das Laufen spielerischer zu gestalten. Der Softwareriese Google nutzt ein Gamification-System bei der Fortbildung seines Sales-Personals und konnte damit das Verfahren \u00fcberdurchschnittlich beschleunigen. Auch SAP nutzt spielerische Elemente, um die Beteiligung im eigenen <a title=\"SAP Community Network\" href=\"http:\/\/scn.sap.com\/welcome\">Community-Network<\/a> zu motivieren und zu belohnen.<\/p>\n<p>Schaut man sich die erfolgreichen Beispiele genauer an, stellt man fest, dass die spielerischen Elemente bei der Entwicklung von Beginn an ber\u00fccksichtigt wurden. \u00c4hnlich wie Usability auch, ist Gamification also viel mehr ein Design-Prozess anstelle eines Produkts, welches sich nachtr\u00e4glich hinzuf\u00fcgen l\u00e4sst. SAP selbst spricht beispielsweise von \u201egame-design thinking\u201c und hebt dadurch die Bedeutung des Entwicklungsansatzes hervor.<\/p>\n<p>Doch wie sieht der idealtypische Prozess zur Integration spielerischer Elemente aus?<\/p>\n<h3>Gamification als Designprozess<\/h3>\n<p>Vor der Definition des Ziels ist es sinnvoll, zun\u00e4chst den bestehenden Prozess zu analysieren, Nutzer zu befragen und weitere Anforderungen des Anwendungskontextes zu ermitteln. Dabei helfen Methoden aus dem Bereich des <a title=\"Centigrade Usability Engineering\" href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/leistungen\/ux-research\">Usability Engineerings<\/a>, die in der Lage sind, zahlreiche Anforderungen zu erheben und damit den Grundstein f\u00fcr die Zieldefinition legen. F\u00fcr den gesamten Entwicklungsprozess ist es von gro\u00dfer Bedeutung, zu Beginn ein klares Ziel f\u00fcr den Einsatz der spielerischen Elemente zu formulieren. Was sollen die spielerischen Elemente bewirken? Sollen sie die Kundenbindung st\u00e4rken? Die Motivation der eigenen Mitarbeiter ankurbeln? Oder einen Prozess effizienter gestalten? Das Ziel sollte in Form eines klar formulierten und unmissverst\u00e4ndlichen Mission Statements festgehalten werden, welches bei Bedarf immer wieder in Erinnerung gerufen werden kann.<\/p>\n<p>Fast genauso wichtig wie das Ziel selbst ist die M\u00f6glichkeit der Erfolgsmessung. Wann und wie wurde das Ziel erreicht? Kann es in irgendeiner Form quantifiziert werden? Sinnvolle Methoden zur \u00dcberpr\u00fcfung der Zielerreichung sind Umfragen unter Mitarbeitern oder Kunden, der Vorher-Nachher-Vergleich von Effizienzdaten oder die Analyse der Datenqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch muss man sich von der Vorstellung trennen, dass jeder Prozess problemlos durch spielerische Elemente angereichert werden kann. In manchen F\u00e4llen lohnt es sich zu \u00fcberlegen, ob nicht zun\u00e4chst eine Umgestaltung des zugrundeliegenden Prozesses notwendig ist, um erfolgreich spielerische Elemente zu integrieren. Dies sollte unter Einbeziehung aller Stakeholder stattfinden, um die verschiedenen Perspektiven auf einen Prozess und die Implikationen der Integration spielerischer Elemente zu betrachten.<\/p>\n<p>Im Entwicklungsprozess selbst sollten fr\u00fch Prototypen zur Verf\u00fcgung stehen, um die spielerischen Elemente im Einklang mit Prozessfunktionen untersuchen zu k\u00f6nnen. Die Erfahrungen aus der Entwicklung digitaler Spiele zeigen, dass es etwa von gro\u00dfer Bedeutung ist, m\u00f6glichst fr\u00fch die Spielmechaniken testen zu k\u00f6nnen. Dabei geht es nicht nur um einen rein funktionalen Test, sondern vor allem um die Frage, ob die Spielelemente im Zusammenhang funktionieren und den gew\u00fcnschten Effekt erzielen.<\/p>\n<p>Um die Implikationen von Spielelementen abzusch\u00e4tzen, bedarf es geschulten Mitarbeitern. Da viele Firmen nicht \u00fcber eigene Game Designer mit einem umfassenden Erfahrungsschatz im Spieldesign verf\u00fcgen, ist es sinnvoll sich dieses Wissen extern einzukaufen. Gerade bei der Analyse der Prozesse und der Ideengenerierung f\u00fcr die Anreicherung dieser durch spielerische Elemente sollten Personen mit Erfahrungen im Spieldesign eingebunden werden, die im Idealfall auch \u00fcber Kenntnisse im Bereich des Usability Engineerings oder Interaktionsdesigns verf\u00fcgen, um die Spielmechaniken und die generelle User Experience in Balance zu bringen.<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Diese kurze Zusammenstellung von Empfehlungen f\u00fcr den Entwicklungsprozess verdeutlicht den Aufwand, der notwendig ist, um geeignete spielerische Elemente zu identifizieren und sie in Prozesse und T\u00e4tigkeiten zu integrieren. Die Einbindung von Spielelementen in Arbeitsprozesse ist kein einfaches Unterfangen: Bei der Konzeption und Integration sollte mit Sorgfalt vorgegangen werden, um nicht Gefahr zu laufen mit dem eigenen Gamification-Konzept zu scheitern. Richtig eingesetzt ist Gamification ein m\u00e4chtiges Werkzeug, welches das Potenzial besitzt nicht nur Prozesse zu optimieren, sondern auch Mitarbeiter zu motivieren und Kunden zu binden.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":0,"template":"","tags":[760,74],"class_list":["post-3993","blog","type-blog","status-publish","hentry","tag-game-design-de","tag-usability-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/3993","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/3993\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11270,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/3993\/revisions\/11270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}