{"id":4523,"date":"2013-11-18T12:45:32","date_gmt":"2013-11-18T11:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.centigrade.de\/blog\/en\/?p=4523"},"modified":"2017-02-03T13:59:07","modified_gmt":"2017-02-03T12:59:07","slug":"industrie-4-0-gamification-in-der-industriellen-fertigung","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/industrie-4-0-gamification-in-der-industriellen-fertigung\/","title":{"rendered":"Industrie 4.0: Gamification in der industriellen Fertigung"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Juli haben wir uns an dieser Stelle mit den <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/gamification-als-designprozess\/\" title=\"Artikel: Gamification als Designprozess\">Potenzialen und Herausforderungen von Gamification befasst und den Prozess zur Integration von Gamification-Methoden diskutiert<\/a>. In diesem Zuge haben wir dargestellt, dass eine ausf\u00fchrliche Analyse der bestehenden Prozesse und daran angepasste Gamification-Mechanismen die Erfolgschancen erh\u00f6hen \u2013 beispielsweise eine Steigerung der Effizienz oder der Mitarbeiterzufriedenheit herbeif\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In diesem Blogbeitrag wollen wir uns vor dem Hintergrund des aktuellen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Industrie_4.0\" title=\"Industrie 4.0 (Wikipedia)\" target=\"_blank\">Industrie 4.0<\/a> Trends st\u00e4rker dem Anwendungsfeld der industriellen Fertigung widmen und diskutieren, welche Rolle <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/services\/gamification\" title=\"Gamification-Dienstleistungen\">Gamification-Methoden<\/a> in diesem Umfeld spielen k\u00f6nnen und welche spezifischen Anforderungen an sie gestellt werden. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Gamification in der industriellen Fertigung<\/h3>\n<p>In der industriellen Fertigung ist die Prozessstruktur an der Funktionsweise von Maschinen orientiert. Um einen optimalen Durchsatz, eine hohe Qualit\u00e4t und m\u00f6glichst geringe Ausfallzeiten zu erreichen, kommt es jedoch erheblich auf das Mitwirken der Bediener und Wartungsmitarbeiter an. Viele der im Folgenden dargestellten Mechanismen sind daher auf die Bediener und ihre Aktivit\u00e4ten fokussiert. Es sind jedoch auch Spielmechanismen f\u00fcr andere Arbeitsbereiche wie Management, Vertrieb oder Anlagenbau denkbar. <\/p>\n<h3>Visuelles und auditives Feedback<\/h3>\n<p>Ein zentrales Element digitaler Spiele ist das unmittelbare visuelle und auditive Feedback auf Nutzereingaben. Das Feedback best\u00e4tigt die Erkennung der Eingabe und verst\u00e4rkt zudem durch die Art der Visualisierung oder Vertonung das Gef\u00fchl der Selbstwirksamkeit des Bedieners. Im Kontext der industriellen Fertigung ist es aufgrund des Fehlens von Displays oder der erh\u00f6hten Lautst\u00e4rke nicht immer m\u00f6glich mit visuellem oder auditivem Feedback zu arbeiten. F\u00fcr den Fall aber, dass Bediener bereits an oder mit Bildschirmen arbeiten, ist es sinnvoll diese optimal zu nutzen. H\u00e4ufig werden auf den Bildschirmen nur statische Zust\u00e4nde visualisiert, innerhalb derer immer wieder Eingaben des Bedieners gefragt sind. Diese Interaktion kann durch den <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/vor-und-nachteile-von-animationen-bezueglich-der-user-experience\/\" title=\"Vor- und Nachteile von Animationen (Blog-Artikel)\">gezielten Einsatz von Animationen<\/a> und grafischen Hervorhebungen angereichert werden, um nicht nur ein Feedback anzuzeigen, sondern auch Zusammenh\u00e4nge oder Prozesse deutlicher zu visualisieren. Dabei ist es m\u00f6glich, jeden einzelnen Arbeitsschritt durch das Sammeln von geringen Punktwerten zu belohnen, sodass jeder Handgriff bzw. Prozessschritt sich positiv auf das Punktekonto des Bedieners auswirkt, wenn dies gew\u00fcnscht ist. <\/p>\n<p>Animationen aber auch auditives Feedback k\u00f6nnen zudem einen Rhythmus oder ein ideales Timing kommunizieren, welches durch Maschinen oder andere Bediener an der Fertigungsanlage beeinflusst wird. Durch diese Unterst\u00fctzung kann zudem ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flow_(Psychologie)\" title=\"Flow (Wikipedia)\" target=\"_blank\">Flow-Zustand<\/a> bei den Bedienern erreicht werden, d.h. ein Gef\u00fchl der v\u00f6lligen Vertiefung und des Aufgehens in einer T\u00e4tigkeit. Bei dem Einsatz von Animationen und T\u00f6nen ist es wichtig, dass diese m\u00f6glichst minimal invasiv sind und vor allem auf l\u00e4ngere Dauer nicht als st\u00f6rend empfunden werden. Auch der aktuelle Status kann durch spielerische Elemente ansprechend visualisiert werden: Was ist mein aktuelles Tagesziel? Wie viele Komponenten pro Stunde habe ich bearbeitet? Liege ich \u00fcber oder unter dem Durchschnitt? Visualisierungen wie eine To-Do-Liste, ein sich Schritt f\u00fcr Schritt f\u00fcllender Statusbalken oder ein Tachometer der produzierten Einheiten pro Stunde geben jedem Bediener individuelles Feedback \u00fcber den aktuellen Status und seine Leistung. <\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel f\u00fcr eine einfache Feedback-Anzeige, die in der Lage ist Menschen zu besonderen Leistungen anzuspornen, findet sich beispielsweise in vielen PKWs: Viele Autofahrer f\u00fchlen sich durch ihr Navigationssystem motiviert, die urspr\u00fcnglich errechnete Ankunftszeit zu unterbieten. Gelingt dies, so wird bei den Autofahrern h\u00e4ufig ein Gef\u00fchl der Zufriedenheit ausgel\u00f6st. <\/p>\n<h3>Pr\u00e4zise Fehlerbeschreibung<\/h3>\n<p>Ein weiteres wichtiges Feedback f\u00fcr Bediener sind Informationen \u00fcber Fehler in der Fertigung, die im sp\u00e4teren Verlauf der Produktion oder durch die finale Qualit\u00e4tskontrolle bemerkt werden. Diese Fehler k\u00f6nnen meist gezielt einem Bearbeitungsschritt oder einer Bedienerstation zugeordnet werden, sodass die Information den betroffenen Bediener \u2013  meist mit ein paar Minuten Verz\u00f6gerung \u2013 erreichen kann. Die Information sollte nicht nur eine kurze Fehlerbeschreibung beinhalten, sondern m\u00f6glichst konkret den Fehler und einen L\u00f6sungsansatz beschreiben. Damit kann der Bediener nachvollziehen, in welchem Kontext der Fehler entstanden ist und er bekommt die M\u00f6glichkeit, die Fehler in Zukunft zu vermeiden. F\u00fcr die Visualisierung des Fehlers k\u00f6nnen automatisiert erstellte Fotos oder animierte 3D-Modelle verwendet werden. Gerade bei sehr komplexen Fertigungsprozessen in der Automobil- oder Maschinenfertigung helfen dynamische 3D-Modelle bei der Lokalisierung und anschaulichen Darstellung des Fehlers. Ein von Centigrade erstellter <a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/references\/portfolio\" title=\"Facility Management Prototyp\">Prototyp f\u00fcr das Geb\u00e4ude-Management<\/a> zeigt eindrucksvoll das Potenzial von dynamischen Darstellungen von Fehlern und Problemen, um diese genau zu lokalisieren.<\/p>\n<h3>Optimierung der Pausenzeiten<\/h3>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Anwendung von spielerischen Elementen ist die Gestaltung der Pausenzeiten. An Fertigungsanlagen mit mehreren Bedienern ist es meist nachteilig, wenn zwei oder mehr Bediener zeitgleich Pausen nehmen, da dann der Durchsatz der Maschinen durch fehlendes Personal beeintr\u00e4chtigt wird. Ein Mechanismus des Gamification-Systems kann die Berechnung von optimalen Pausenzeiten sein, die auf Anfrage des Bedieners ermittelt werden. Das System erlaubt zudem auch weiterhin den sofortigen Start einer Pause, ermittelt aber zus\u00e4tzlich einen optimalen Pausenbeginn f\u00fcr die Fertigungsstra\u00dfe, der freiwillig gew\u00e4hlt werden kann. W\u00e4hlt der Bediener den optimalen Beginn, startet ein Countdown, der den Anfang der optimalen Pausenzeit visualisiert. Nimmt der Bediener seine Pause in diesem Zeitraum, so erh\u00e4lt er daf\u00fcr Bonuspunkte.<\/p>\n<h3>Belohnung von Teams<\/h3>\n<p>Kurz Erw\u00e4hnung fand bereits das Beispiel der Leaderboards, anhand derer die Leistungen einzelner Mitarbeiter oder Teams in Beziehung gestellt werden. Dieser Mechanismus ist nicht ganz unumstritten, da er nicht nur f\u00fcr Gewinner, sondern auch entsprechend f\u00fcr Verlierer sorgt. Gerade im Fall von gr\u00f6\u00dferen Fertigungsanlagen ist es zudem wichtig, das soziale Gef\u00fcge zwischen Mitarbeitern zu festigen, anstatt es durch ein zu kompetitives System auszuhebeln. Ein Modell, welches sich als erfolgreich erwiesen hat, ist die Belohnung von Teams f\u00fcr eine gute Zusammenarbeit der Teammitglieder. Dabei werden die Teams nicht nur nach ihren Effizienzwerten oder dem Erreichen von Tages- oder Wochenzielen beurteilt, sondern auch nach der gegenseitigen Unterst\u00fctzung bei Problemen oder den durch das Team eingereichten Verbesserungsvorschl\u00e4ge. Zur Erhebung der Informationen dienen beispielsweise kurze Fragen beim Log-out aus dem System, die innerhalb von wenigen Sekunden abfragen, welcher Kollege in der vorangegangenen Schicht den Befragten am besten unterst\u00fctzte, oder welche Station in der Fertigung als besonders herausfordernd wahrgenommen wird. F\u00fcr die Beantwortung der Fragen k\u00f6nnen erneut Punkte gesammelt werden, die sich \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer Antwort \u2013 positiv auf die Teambewertung niederschlagen.<\/p>\n<h3>Belohnungen steigern die Motivation<\/h3>\n<p>Ein intensiv diskutiertes Thema im Bereich Gamification sind Belohnungen, die f\u00fcr eine erfolgreiche Teilnahme an Gamification-Prozessen in Aussicht gestellt werden k\u00f6nnen. Die Belohnungen erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit, dass das entsprechend belohnte Verhalten h\u00e4ufiger eintritt. Dieses Verhalten wird in der Psychologie als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Positive_Verst%C3%A4rkung#Positive_Verst.C3.A4rkung\" title=\"Positive Verst\u00e4rkung (Wikipedia)\" target=\"_blank\">positive Verst\u00e4rkung<\/a> bezeichnet. Dabei stellen Experten aus der Verhaltensforschung die Frage, ob eine extrinsische Motivation durch Belohnungen nicht ein falsches Signal aussendet. Spiele wecken h\u00e4ufig eine intrinsische Motivation, das hei\u00dft, Personen spielen aufgrund der Freude am Spiel. Im Idealfall w\u00fcrde dies bedeuten, dass die durch spielerische Elemente angereicherten Prozesse den Nutzer ausreichend motivieren, sodass keine zus\u00e4tzlichen Belohnungen angeboten werden m\u00fcssen. Doch die Erfahrung bei der Integration von Gamification-Mechanismen zeigt, dass Belohnungen die Motivation zus\u00e4tzlich steigern k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlen Leistungen des Arbeitgebers wie l\u00e4ngere Pausen oder ein zus\u00e4tzlicher Urlaubstag, Sonderzahlungen oder Geschenke, die beispielsweise Schritt f\u00fcr Schritt \u00fcber das Sammeln von Punkten erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Spielemechanismen erfolgreich in der Produktion nutzen<\/h3>\n<p>Die Integration von Spielmechanismen in die Abl\u00e4ufe der industriellen Produktion ist f\u00fcr viele Betriebe noch Neuland. Doch die wachsende Anzahl an entsprechenden Projekten aus der Fertigungsindustrie im Kontext der Industrie 4.0 zeigt, dass immer mehr Firmen Interesse an kreativen und spielerischen L\u00f6sungen zeigen, um Fehler zu verringern, die Effizienz der Prozesse und die Motivation ihrer Mitarbeiter zu steigern.<\/p>\n<p><em>Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine leicht gek\u00fcrzte Fassung des Beitrags f\u00fcr das <a href=\"http:\/\/www.sps-magazin.de\/\" title=\"SPS-Magazin\" target=\"_blank\">SPS-Magazin<\/a> in der Ausgabe 10\/2013.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":0,"template":"","tags":[],"class_list":["post-4523","blog","type-blog","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4523\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}