{"id":4640,"date":"2014-02-18T11:36:54","date_gmt":"2014-02-18T09:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.centigrade.de\/blog\/en\/?p=4640"},"modified":"2021-01-11T14:34:50","modified_gmt":"2021-01-11T13:34:50","slug":"gamification-kritische-betrachtung-in-den-medien","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/gamification-kritische-betrachtung-in-den-medien\/","title":{"rendered":"Gamification: Kritische Betrachtung in den Medien"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen wurde das Thema Gamification von verschiedenen Massenmedien (u.a. <a title=\"SPIEGEL Online Artikel vom 19.1.2014\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/games\/falsches-spiel-a-938480.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spiegel Online<\/a>, <a title=\"TAZ Artikel vom 10.2.2014\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/!132468\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TAZ<\/a>, <a title=\"FAZ Artikel vom 12.2.2014\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/gamification-ist-spielen-das-neue-arbeiten-12796856.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FAZ<\/a>) aufgegriffen und dabei in vielen F\u00e4llen sehr kritisch hinterfragt.<\/p>\n<p>Auch die <a title=\"FAZ Artikel vom 12.2.2014\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/gamification-ist-spielen-das-neue-arbeiten-12796856.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berichterstattung<\/a> im Rahmen des <a title=\"Website GamificationDay 2014\" href=\"http:\/\/www.adtractive.de\/digitale-spielwiese\/2014\/02\/15\/gamification-day-2014-koeln-erfolgreicher-auftakt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GamificationDays in K\u00f6ln<\/a>, an dem ich mich mit einem Vortrag zu Gamification in der industriellen Fertigung beteiligte, setzte sich kritisch mit dem Thema auseinander.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiger Ansatzpunkt der Kritik ist dabei der Einsatz von spielerischen Elementen, um Leute zu mehr Flei\u00df anzutreiben und schnelleres, effizienteres Arbeiten zu motivieren \u2013 m\u00f6glicherweise ohne R\u00fccksicht auf die physische oder psychische Belastung der Mitarbeiter. Dieser Aspekt zeigt die Bedeutung der ethisch-moralischen Verantwortung bei der Integration von Gamification-Elementen in Produktionsprozesse. Dazu gibt es Beispiele, die zum Nachdenken anregen: Etwa der in meinem Vortrag bereits kritisch hervorgehobene und im FAZ-Artikel aufgegriffene <a title=\"Forbes-Artikel vom 21.10.2011\" href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/frederickallen\/2011\/10\/21\/disneyland-uses-electronic-whip-on-employees\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fall der &#8222;elektronischen Peitsche&#8220;<\/a>, einer Form des Effizienz-Monitorings in einer W\u00e4scherei eines Disney-Vergn\u00fcgungsparks. Dieses System zeigte die prozentuale Effizienz der Mitarbeiter auf Monitoren an und verglich diese mit einem schwer zu erreichenden Idealwert. Dies resultierte in einem so starken Leistungsdruck, dass einige Mitarbeiter der W\u00e4scherei sogar gesundheitliche Risiken eingingen, um in der Effizienzbewertung nicht zu schlecht abzuschneiden.<\/p>\n<p>Dieses Negativbeispiel zeigt die Notwendigkeit die Mitarbeiter sehr fr\u00fch in den Gestaltungsprozess der Gamification-Mechanismen einzubinden und das daraus resultierende Feedback ernst zu nehmen. So erhalten die Verantwortlichen wichtiges Feedback zur Eignung und Wahrnehmung der spielerischen Elemente, welches im Zweifelsfall auch dazu f\u00fchren sollte, dass Mechanismen nicht weiter vorangetrieben werden. Dieser nutzerzentrierte Prozess ist im Bereich des <a href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/leistungen\/ux-research\">Usability Engineerings<\/a> ein fester Bestandteil, wird aber in Gamification-Projekten z.T. vernachl\u00e4ssigt, was zu einer mangelnden Akzeptanz seitens der Mitarbeiter f\u00fchren kann. Diese Bedenken spiegeln sich auch in der Einsch\u00e4tzung von <a href=\"https:\/\/www.gartner.com\/en\">Gartner<\/a> wieder, dass etwa 80% der begonnenen Gamification-Vorhaben ihre Ziele verfehlen werden.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt, der bei der kritischen Betrachtung leider h\u00e4ufig zu kurz kommt, ist die Unterscheidung zwischen <a title=\"Wikipedia-Artikel zu intrinsischer und extrinsischer Motivation\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Motivation#Quellen_der_intrinsischen_und_extrinsischen_Motivation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">extrinsischer und intrinsischer Motivation<\/a> der Mitarbeiter. W\u00e4hrend im ersten Fall die Motivation durch \u00e4u\u00dfere Anreize (z.B. Sonderzahlungen, Anweisungen aus dem Management) erfolgt, so entsteht die intrinische Motivation etwas zu tun aus dem reinen Selbstzweck, weil es beispielsweise Spa\u00df bereitet, eine Herausforderung darstellt oder bestimmte Interessen befriedigt.<\/p>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen legen bereits nahe, dass sich nicht jeder Prozess oder jede Aktivit\u00e4t gleich gut eignet, um durch spielerische Elemente angereichert zu werden. D.h. im Umkehrschluss, dass m\u00f6glicherweise zun\u00e4chst Prozesse umgestaltet werden m\u00fcssen, um sie spielerischer zu gestalten. Zus\u00e4tzlich ist es nat\u00fcrlich erstrebenswert m\u00f6glichst solche spielerischen Elemente zu verwenden, welche einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter haben, weil der Prozess z.B. spannender gestaltet wird, ihre Lernprozesse unterst\u00fctzt oder andere intrinische Anreize setzt. Gelingt dies, so zeigt sich das vollst\u00e4ndige Potenzial von Gamification. Gelungene Umsetzungen sind beispielsweise die spielerische Anwendung zur Unterst\u00fctzung der eigenen Genesung <a title=\"Website zur Anwendung Superbetter\" href=\"https:\/\/www.superbetter.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eSuperbetter\u201c<\/a> von der Game Designerin Jane McGonigal oder das spielerische Puzzle <a title=\"Website zu Foldit\" href=\"https:\/\/fold.it\/portal\/info\/about\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eFoldit\u201c<\/a>, welches u.a. die Forschung zur HIV- und Krebsbek\u00e4mpfung unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Ein weiterer kritischer Punkt bei der Integration spielerischer Mechanismen ist die Gestaltung sozialer Spielelemente: So gibt es Mechanismen, welche den Wettbewerb zwischen Individuen verst\u00e4rken, aber auch solche, die das soziale Miteinander wie Teamwork steigern. Aus diesem Grund m\u00fcssen die Spielmechanismen sehr sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt werden, um keine nachteiligen Effekte zu bewirken.<\/p>\n<p>Einige Gamification-Mechanismen erfordern zudem die (zumindest tempor\u00e4re) Speicherung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten. In diesem Fall ist es wichtig Transparenz zu schaffen, um den Mitarbeitern klar verst\u00e4ndlich zu erl\u00e4utern, welche Daten in welchem Zusammenhang erhoben werden und wozu diese verwendet werden. Wird dies nicht getan, so l\u00e4uft man Gefahr, dass es auf Mitarbeiterseite Skepsis gegen\u00fcber dem System geben wird. Aus diesem Grund sollten (falls vorhanden) auch der Betriebsrat und Datenschutzbeauftragte fr\u00fch in den Prozess eingebunden werden, um die Interessen der Mitarbeiterseite zu vertreten.<\/p>\n<p>Fasst man diese Ausf\u00fchrungen zusammen, bleibt vor allem eine zentrale Erkenntnis: F\u00fcr die erfolgreiche Etablierung von spielerischen Elementen in spielfremden Kontexten ist es unabdingbar die Mitarbeiter, die in dem entsprechenden Kontext arbeiten, bereits fr\u00fch in den Gestaltungsprozess einzubinden und ihre Meinungen und Anforderungen zu ermitteln. Ansonsten droht ein Scheitern der Gamification-Mechanismen durch mangelnde Akzeptanz oder fehlgeleitete Ziele.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":0,"template":"","tags":[],"class_list":["post-4640","blog","type-blog","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11875,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/4640\/revisions\/11875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}