{"id":5024,"date":"2014-08-31T14:18:30","date_gmt":"2014-08-31T12:18:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/?p=5024"},"modified":"2015-01-14T17:22:13","modified_gmt":"2015-01-14T15:22:13","slug":"unkommunikativ-brauche-ich-wirklich-eine-smartwatch","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/unkommunikativ-brauche-ich-wirklich-eine-smartwatch\/","title":{"rendered":"Unkommunikativ &#8211; brauche ich wirklich eine Smartwatch? (Pebble Review)"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Fr\u00fcher, zu Schulzeiten, bevor Smartphones den Markt \u00fcberfluteten, war ich ohne Uhr quasi nackt. Das wichtigste Accessoire war gleichzeitig irgendwie auch Statussymbol und durfte eigentlich nie fehlen. Vielleicht hundert Mal am Tag schaute ich, bewusst oder unbewusst, auf die Uhr. Wenn ich morgens aus dem Haus ging und selbige aus irgendeinem Grund zu Hause vergessen hatte, lief ich den ganzen Tag mit dem Gef\u00fchl durch die Welt, dass irgendetwas Wichtiges fehlt.<\/p>\n<p>Und dann bekam ich das erste Smartphone. <!--more-->Pl\u00f6tzlich war die Uhr beim Tippen am Rechner doch irgendwie l\u00e4stig, und der Blick aufs Handydisplay offenbarte mir pl\u00f6tzlich nicht nur die Information \u00fcber die Uhrzeit, sondern auch \u00fcber neue Nachrichten, das Wetter und viele andere Dinge, die ich eigentlich gar nicht wissen wollte \u2013 die aber dann doch irgendwie interessant sind. Und nicht allzu oft kommt es heute vor, dass ich wegen der Uhrzeit auf mein Display schaue, drei neue Nachrichten lese, das Handy wegstecke und mich dann frage, wie viel Uhr es jetzt eigentlich ist. Offenbar schafft es mein Hirn, sich so in die Informationsmenge auf dem Display einzulesen, dass es vergisst, warum ich <em>eigentlich<\/em> aufs Handy schauen wollte. Schnell wird mal noch das Wetter gecheckt (statt in den Himmel zu schauen), der Twitterstream gelesen, Facebook gepostet und Instagram aktualisiert. Eigentlich hat man mit so einem Smartphone immer etwas zu tun. Die Wertung, ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei an der Stelle jedem selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Immer mehr kommt aktuell deshalb der Wunsch auf, <a title=\"Put down your phone!\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jyn526lSTcQ\">das Handy einfach mal wegzustecken<\/a>, in der Kneipe nicht Teil einer Tischgemeinschaft zu sein, die im Kreis sitzend, schweigend mit ihren Handys besch\u00e4ftigt, vergisst miteinander zu reden. \u201eUnkommunikativ\u201c \u2013wie oft habe ich dieses Wort in den letzten Monaten geh\u00f6rt. Nun l\u00e4ge es ja nahe, das Telefon einfach zu Hause zu lassen und komplett ohne Netzanbindung loszuziehen \u2013 aber sind wir doch einmal ehrlich \u2013 dagegen gibt es doch super viele Gr\u00fcnde die, wenn man sie sich nur lange genug einredet, in der Erkenntnis m\u00fcnden, dass man das Handy unterwegs braucht. Was, wenn man die Gruppe verliert, jemand zu sp\u00e4t kommt und per Whatsapp nach der Location fragt, wenn genau in dem Moment zu Hause die Wohnung brennt und der Vermieter anruft,\u2026 Nein, das Handy muss mit.<\/p>\n<p>An diesem Punkt kommen dann <a title=\"Wikipedia: Smartwatch\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Smartwatch\">Smartwatches<\/a> ins Spiel. Die Idee, die gute alte Armbanduhr und damit den Blick aufs Handgelenk zu reaktivieren, liegt eigentlich nahe. Das Handy bleibt in der Hosentasche und man ist trotzdem \u00fcber alles Wichtige wie Anrufe, Nachrichten und das Wetter auf der anderen Seite des Fensters informiert. Achja, die Uhrzeit zeigen die Dinger auch an! Jetzt gibt es auf dem Markt verschiedene Arten von Smartwatches. Ich m\u00f6chte mich jetzt nicht \u00fcber jedes einzelne auf dem Markt verf\u00fcgbare Ger\u00e4t auslassen, sondern nur eine kurze \u00dcbersicht \u00fcber die f\u00fcr mich in Frage kommenden M\u00f6glichkeiten geben.<\/p>\n<h3>Version 1: Das komplette Smartphone am Handgelenk.<\/h3>\n<p>Dieses Ger\u00e4t beinhaltet alles, was ein Smartphone ausmacht. Eine eigene SIM ist ebenso Teil des Systems wie Touchscreen, App Store und aller Komfort. Diese Smartphones sind meistens ca. 10mm dick, h\u00e4sslich, schwer und \u2013 ganz im Ernst \u2013 wer will schon mit der Uhr am Ohr telefonieren? Au\u00dferdem bedeutet eine neue SIM meistens auch eine eigene Nummer f\u00fcr die Uhr, eine eigene Rechnung und Mehrkosten f\u00fcr etwas, was ich eigentlich gar nicht brauche. Apropos \u201ebrauchen\u201c. EIGENTLICH wei\u00df ich schon jetzt, dass ich keine Smartwatch brauche. Aber seit sich das \u201eHaben-Wollen-Gen\u201c im Sprachgebrauch etabliert hat, muss ich hierzu wohl nichts mehr sagen. Jedenfalls f\u00e4llt Version 1 aus Gewichts- und praktischen Gr\u00fcnden eindeutig aus meinem Raster.<\/p>\n<h3>Version 2: Die gekoppelte Smartwatch mit aktivem LED Display<\/h3>\n<p>Hier wird es jetzt interessant. Die Smartwatch wird via Bluetooth an das Handy gekoppelt und empf\u00e4ngt die Daten \u00fcber eben diese Datenschnittstelle. Die Uhr braucht also keine eigene SIM und kann dadurch deutlich kompakter gebaut werden. Einzige Probleme bei dieser Version: Durch das aktiv beleuchtete LED Display ist die Uhr oft im Sonnenlicht schlecht lesbar und auch die Akkulaufzeit ist nicht grade die St\u00e4rke dieses Smartwatch-Types. Ist \u00fcbrigens bei Version 1 auch nicht wirklich besser \u2013 im Gegenteil. Au\u00dferdem ist mein iPhone bekannterma\u00dfen eine Zicke bez\u00fcglich zugelassener Bluetooth-Verbindungen und die iWatch l\u00e4sst weiterhin auf sich warten.<\/p>\n<h3>Version 3: Die gekoppelte Smartwatch mit E-Ink Display<\/h3>\n<p>Ich br\u00e4uchte also eine h\u00fcbsche, gekoppelte Smartwatch mit langer Akkulaufzeit, die sich mit meinem iPhone vertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dass ich mit diesem Wunsch nicht der einzige bin, beweist ein 2012 gestartetes <a title=\"Pebble auf Kickstarter\" href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/597507018\/pebble-e-paper-watch-for-iphone-and-android\">Kickstarter Projekt<\/a>, dass statt den gew\u00fcnschten $100.000 gleich mal \u00fcber $10.000.000 einbrachte: Die Pebble.<\/p>\n<p>Eine Smartwatch die, laut Beschreibung, mit E-Ink Display und damit gro\u00dfartiger Akkulaufzeit, iPhone Kompatibilit\u00e4t und einem schlichten, aber h\u00fcbschen Design besticht. Was sie gegen\u00fcber der LED Display best\u00fcckten Konkurrenz vermissen l\u00e4sst ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Touchscreen (brauche ich auf diesem winzigen Display glaube ich nicht wirklich)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Farbiges Display (Brauche ich zur Informationsanzeige ebenfalls nicht)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Daf\u00fcr gibt es eine gute API, einen kleinen Appstore und vor allem ein schlankes, leichtes Design in verschiedenen Varianten.<\/p>\n<p>Um zum eigentlichen Punkt des Artikels zu kommen: Wir haben uns also die Pebble in der Basis-Version in schwarz bestellt und ich werde sie die n\u00e4chsten Tage im Alltag testen. Vielleicht messe ich ja den Erfolg des Konzepts einfach am Gebrauch des Wortes \u201eunkommunikativ\u201c in meinem Umfeld.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5026\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7884.jpg\" alt=\"Unboxing the Pebble\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7884.jpg 1024w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7884-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/h2>\n<h2>Tag 1\u2013 Unboxing und warm werden<\/h2>\n<h3>Unboxing<\/h3>\n<p>St\u00fcndlich erfrage ich den Lieferstatus des Pakets. Als es dann endlich da ist, beginnt der beste Teil am Bestellen neuer Hardware: das \u201eUnboxing\u201c. Die Pebble kommt in einer kleinen, stabilen Pappbox, die sich gl\u00fccklicherweise schnell und problemlos \u00f6ffnen l\u00e4sst (<a title=\"Montage: Unboxing the Nexus 7 is fun!\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=32DD4DF7Qpo\">Ein kurzes Augenzwinkern zum Nexus 7&#8230;<\/a>) und einen Blick auf die Uhr freigibt. Au\u00dferdem dabei: Ladekabel (mit Magnetverbindung, sehr sch\u00f6n!), ein kurzes Quickstart-Heftchen und das war\u2019s auch schon.<\/p>\n<p>Die Pebble begr\u00fc\u00dft uns mit einem freundlichen \u201ehello.\u201c Aufkleber. Alles richtig gemacht, ich freu mich total darauf, endlich loszulegen. Ich frage mich allerdings, wieso es zur Begr\u00fc\u00dfung einen Aufkleber braucht \u2013 ein E-Ink Display verbraucht doch keinen Strom, so lange es sich nicht ver\u00e4ndert?! Diese Frage erledigt sich relativ schnell beim Anschalten der Uhr &#8211; Das Display ist mit 144 \u00d7 168px erwartungsgem\u00e4\u00df nicht das sch\u00e4rfste. Gerade bei kleinen oder schmalen Schriften, sieht man die Pixeltreppchen doch sehr stark. St\u00f6rt mich aber \u2013 auch wenn ich vom Handy Retina gewohnt bin \u2013 ehrlich gesagt nicht weiter. Bei vern\u00fcnftigem Betrachtungsabstand f\u00e4llt es mir auch kaum noch auf.<\/p>\n<p>Angezogen ist die Uhr, naja, ganz okay. Wir haben die g\u00fcnstigste Version bestellt, also mit Plastikgeh\u00e4use und Gummiarmband. F\u00fcr privat w\u00e4re es zu \u00fcberlegen, eine Pebble Steel zu bestellen. Die Uhr ist \u00fcberraschend leicht und l\u00e4sst sich super bequem tragen. Selbst f\u00fcr mich, der sich mittlerweile an ein freies Handgelenk gew\u00f6hnt hat.<\/p>\n<h3>Inbetriebnahme<\/h3>\n<p>Aus dem Appstore lade ich die Pebble-App und versuche, eine Verbindung zwischen iPhone und Smartwatch herzustellen. Das klappt verbl\u00fcffend problemlos und schon nach kurzer Zeit verr\u00e4t mir ein \u00fcberraschtes \u201ehuch\u201c von Thomas, der die Uhr gerade in der am Handgelenk tr\u00e4gt, dass sowohl die Kopplung als auch der testweise abgesandte Vibrationstrigger einwandfrei funktionieren.<\/p>\n<p>\u00dcber den kleinen Appstore innerhalb der Pebble-App lassen sich schnell, einfach und sch\u00f6n gestaltet, kleine Anwendungen und Watchfaces installieren. Eine Art \u201eHalde\u201c h\u00e4lt die letzten, von der Uhr deinstallierten Apps zum schnellen Wiederzugriff bereit.<\/p>\n<p>Ich muss sagen, ich bin \u00fcberrascht, wie umfangreich die Auswahl im Store ist \u2013 und nat\u00fcrlich alles kostenlos. Schnell ist auch ein passendes Watchface gefunden und installiert.<\/p>\n<p>Nachdem der Store schon \u00fcberzeugt hat, wenden wir uns der Uhr selbst zu.<\/p>\n<p>Der Verzicht auf Touchscreen und die dadurch ben\u00f6tigten Buttons (drei rechts, einer links, darunter etwas Platz f\u00fcr das Ladekabel und den Daumen, um dem Druck auf die Tasten gegenwirken zu k\u00f6nnen) bringen verschiedene Reaktionen hervor. Ich finde es ganz angenehm, echte haptische Softkeys zu haben, da die Uhr so frei von Fingerabdr\u00fccken und ungewollten Interaktionen bleibt \u2013Thomas findet die L\u00f6sung eher weniger \u00fcberzeugend. Wie sich sp\u00e4ter im Praxistest herausstellt, haben wir beide ein bisschen Recht, da geht also noch mehr.<\/p>\n<p>Das Display ist in der direkten Sonne und auch allgemein im hellen perfekt ablesbar, im Dunkeln schaltet ein Sch\u00fctteln des Handgelenks die Hintergrundbeleuchtung zu. Auch hier von meiner Seite nichts zu meckern, au\u00dfer dass gelegentlich ein Sch\u00fctteln registriert wird, welches gar keins ist (Jacke anziehen, am Kopf kratzen\u2026).<\/p>\n<h3>Praxistest<\/h3>\n<p>Zur\u00fcck am Arbeitsplatz ziehe ich erst einmal die Uhr aus \u2013 nervt ja schon ein bisschen beim Tippen&#8230;<\/p>\n<p>Aber nein, ich will mich noch einmal dran gew\u00f6hnen, also kommt die Pebble wieder ans Handgelenk und f\u00e4ngt sofort an im Minutentakt zu vibrieren. Und zwar so laut, dass der B\u00fcrokollege jedes Mal kurz verwundert aufschaut. Macht schon ganz sch\u00f6n krach, dieser kleine Vibrationsmotor. Ich \u00fcberlege kurz, den Vibrationsalarm zu deaktivieren &#8211; aber irgendwie geht dann auch der Sinn des Ganzen etwas verloren, also m\u00fcssen wir da jetzt durch.<\/p>\n<p>Aber warum vibriert die Uhr so derma\u00dfen oft? Die L\u00f6sung liegt in den Push Notifications des iPhone. Dort kann ich n\u00e4mlich alle Events in verschiedenen Stufen einordnen. Nur im Sperrbildschirm, auf dem Sperrbildschirm, als Banner oder Dialog oder auch alles auf einmal l\u00e4sst sich f\u00fcr jede App individuell zu- und abschalten.<\/p>\n<p>Die Pebble empf\u00e4ngt aber schlichtweg <em>alle<\/em> Push Nachrichten, die es auf den Sperrbildschirm schaffen, und reagiert mit einer Anzeige und Vibration. Das wird sehr schnell sehr l\u00e4stig, gerade da beispielsweise Facebook f\u00fcr jede Antwort auf einen Thread, den ich kommentiert habe, eine Notification abschickt. Als aktiver Facebook Nutzer kommt dies sehr h\u00e4ufig vor. Auf dem iPhone bei meiner Konfiguration eben still, auf der Uhr jedoch mit Vibration. Hier w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, die Apps konfigurieren zu k\u00f6nnen, die an die Pebble weitergeleitet werden. F\u00fcr den ersten Tag beschlie\u00dfe ich jedoch, erst einmal zu sehen, ob ich mich daran gew\u00f6hne und gehe \u2013 vibrierend \u2013 in den Feierabend.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Arbeit ist die Reaktion meines Umfelds gespalten zwischen: \u201eWie cool\u201c und \u201ewie unn\u00f6tig\u201c. Das laute Vibrieren f\u00e4llt bei einem normalen Ger\u00e4uschpegel kaum auf, so dass sich dieser Punkt f\u00fcr mich ein klein wenig erledigt hat. Auf der Arbeit kann ich ja die Vibration ausstellen, da will ich ja sowieso nicht zu sehr abgelenkt sein. Ich ertappe mich au\u00dferdem dabei, immer wieder auf\u2019s Handy zu schauen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob es aus Gewohnheit ist oder ob ich einfach nur pr\u00fcfen will, ob die Pebble nicht doch eine wichtige Notification verpasst hat. Hat sie \u00fcbrigens nicht. Noch nicht einmal.<\/p>\n<p><div class=\"MediaEmbedContainer\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/wxE7z0qV5Dk\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div><\/p>\n<h2>Tag 2 \u2013 Notification-Terror<\/h2>\n<p>Am Abend von Tag 1 habe ich etwas Wichtiges festgestellt: Die Facbebook Aktivit\u00e4t meiner Seiten geht gegen Abend rapide nach oben \u2013 und jedes Mal vibriert mein Handgelenk. Die Idee, die Pebble einfach auszuziehen, erweist sich als nicht sonderlich klug, denn auf dem Couchtisch wird das Vibrieren noch verst\u00e4rkt und f\u00e4ngt langsam an, richtig zu nerven. Nachdem die Uhr auch auf dem Nachttisch immer mal wieder kurz zu summen beginnt, richte ich mir eine Ruhezeit von 00:00-06:00 Uhr ein. Am Morgen von Tag 2 will ich das Problem dann doch angehen. Ich finde auch relativ schnell einen Workaround bzw. einen Kompromiss: Wollte ich nicht sowieso mal ein wenig Abstand von dieser ewigen Facebook-Suchterei nehmen? Kurzerhand deaktiviere ich auf dem iPhone alle Facebook Notifications. Nur der Messenger darf bleiben, da h\u00e4lt sich der Ereignis-Spam in Grenzen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Tage sollten sich als eine Wohltat herausstellen. Wenn das Telefon mich nicht andauernd daran erinnert, \u201evergesse\u201c ich tats\u00e4chlich, Facebook alle paar Minuten zu checken. Danke Pebble \u2013 auch wenn dieser Gewinn \u2013 n\u00fcchtern betrachtet aus einem ziemlich gro\u00dfen Problem bei der Zusammenarbeit zwischen Uhr und Handy resultiert.<\/p>\n<p>Ich beginne langsam, Vertrauen in die Uhr zu fassen und checke nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig mein Handy \u2013 sehr cool. Der erste Anruf seit Besitz der Pebble kommt rein und ich verpasse, ihn anzunehmen, weil ich mich dar\u00fcber wundere, dass ich Anrufe per Knopfdruck ablehnen oder annehmen kann. Ablehnen macht ja noch irgendwie Sinn, aber die Ger\u00e4uschkulisse f\u00fcr das Gegen\u00fcber, wenn ich bei bereits angenommenem Anruf erst einmal das Handy aus der Tasche ziehen muss, stelle ich mir nicht grade sch\u00f6n vor. Andererseits w\u00e4re es auch seltsam, wenn ein Anruf die einzige Benachrichtigung w\u00e4re, die nicht angezeigt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Thema verpasste Notifications: Irgendwie habe ich noch das mentale Modell im Kopf, dass die Anzeige der Uhrzeit nur ein Bildschirmschoner ist, der sich \u00fcber alle Nachrichten legt. Ist nat\u00fcrlich nicht so, trotzdem versuche ich aber immer wieder instinktiv einen Kopf zu dr\u00fccken um zur\u00fcck zu den \u201ewirklich wichtigen\u201c Informationen, also den Notifications zu kommen. Im Endeffekt sind es dann eben 2 Klicks mehr, denn die Funktionalit\u00e4t liegt im Men\u00fc sehr weit oben.<\/p>\n<p>An die Bedienung \u00fcber die Kn\u00f6pfe hab ich mich mittlerweile gew\u00f6hnt. Wenn man ein wenig \u00dcbung hat (was bei den minimalen Men\u00fcs und nur vier Kn\u00f6pfen auch nicht schwer ist), erreicht man sein Ziel super schnell &#8211; ich behaupte sogar schneller als per Touch.<\/p>\n<h2>Tag 3 \u2013 Man gew\u00f6hnt sich aneinander<\/h2>\n<p>Mittlerweile habe ich die Schiftgr\u00f6\u00dfe der Notifications auf \u201eklein\u201c gestellt. So sehe ich bei den meisten Nachrichten den wichtigsten Teil und kann entscheiden, ob ich reagieren m\u00f6chte. Ich entscheide mich \u00fcberraschenderweise meistens daf\u00fcr, noch nicht zu reagieren und das iPhone erst aus der Tasche zu nehmen, \u201ewenn\u2019s sich lohnt\u201c. Stichwort Stapelverarbeitung: Offenbar schafft es dieser kleine, schwarze Kasten tats\u00e4chlich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, ein Umdenken in meinem Kopf zu triggern, stelle ich wohlwollend fest.<\/p>\n<p>Ich habe \u00fcber die letzten Tage mehre Apps ausprobiert. Keine davon hat mich so wirklich \u00fcberzeugt. Der Schrittz\u00e4hler ist ganz nett, ich wei\u00df allerdings noch nicht, wof\u00fcr ich ihn verwenden sollte (so ein generelles Problem mit Schrittz\u00e4hlern&#8230;), Foursquare checkt mich ungefragt auf einem SPD-Parteitag ein (ich war beim Lasertag\u2026) und viele der Fitness-Apps brauchen eine zus\u00e4tzliche Pay-App oder sonstige Hardware, die dann \u00fcber das iPhone mit der Pebble kommuniziert. Ich bin allerdings sowieso beim Sport meistens ohne Technik unterwegs, da ich auch gerne mal \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes \u2013 abschalten m\u00f6chte. \u00dcber den Sinn, Bilder auf dem winzigen Display in reinem S-W pixeln zu lassen, muss ich glaube ich keine Worte verlieren.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: beim Thema Apps ist sicherlich noch einiges drin, aber andererseits war das auch nicht meine Anforderung an das Ger\u00e4t. Was ich jedoch gerne mal ausprobiert h\u00e4tte w\u00e4re die Navi-Anzeige, die es leider nur f\u00fcr Android gibt.<\/p>\n<p>Die Kollegen im B\u00fcro haben sich mittlerweile auch ein bisschen mehr an das Vibrieren gew\u00f6hnt. Scheint keinen mehr wirklich zu st\u00f6ren.<\/p>\n<h2>Tag 4 \u2013 Gewohnheit und kleinere Kritik<\/h2>\n<p>Zum ersten Mal habe ich mein iPhone zu Hause vergessen. Mit der Uhr am Handgelenk vergesse ich tats\u00e4chlich manchmal, dass ich das Handy ja auch noch brauche, um die Notifications zu empfangen und vor allem zu beantworten. Schlimm war es dann im Nachhinein nicht \u2013 man kommt \u00fcberraschend gut ohne Handy aus und durch die Anzeige der Uhrzeit ist die Pebble ja auch nicht ganz nutzlos.<\/p>\n<p>Langsam aber sicher gew\u00f6hne ich mich auch an das Gef\u00fchl, wieder eine Uhr zu tragen. Allerdings eher langsam als sicher&#8230;<\/p>\n<p>Ein Punkt der mich immer mal wieder st\u00f6rt: Ich w\u00fcrde die Pebble gerne \u00f6fters mal schnell stumm schalten. Sei es beim Essen, beim Telefonieren oder spazieren \u2013 manchmal m\u00f6chte ich einfach nicht gest\u00f6rt werden. Leider sind die Funktionalit\u00e4ten f\u00fcr DnD und\/oder Vibration deaktivieren relativ weit abseits untergebracht \u2013 ich muss insgesamt 8x auf einen Kopf dr\u00fccken (Scrolling eingeschlossen). Hier w\u00fcrde ich mir einen Longtap oder etwas \u00e4hnliches zum schnellen Umschalten w\u00fcnschen. (\u00c4hnlich wie Beispielsweise der stumm\/laut-Switch beim iPhone oder fr\u00fcher das lange dr\u00fccken der *-Taste bei meinem uralten Siemens Handy).<\/p>\n<p>Von den Personen in meinem Umfeld bemerkt initial niemand, dass ich eine Smartwatch trage und keine gew\u00f6hnliche Uhr. Erst bei Vibration und dem Blick aufs Display f\u00e4llt die Pebble auf. Die erste Reaktion ist nach wie vor meistens: \u201eWie unn\u00f6tig!\u201c. Interessanterweise bleibt die Smartwatch dann oft noch eine Weile im Gespr\u00e4ch und irgendwann f\u00e4llt der Satz: \u201eIst ja schon irgendwie cool, was kostet denn sowas?\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5028 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7886.jpg\" alt=\"Pebble Watface\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7886.jpg 683w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20140806-800_7886-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich trage ich die Uhr noch nicht lange genug, um ein abschlie\u00dfendes Feedback geben zu k\u00f6nnen. Mittlerweile vergangene f\u00fcnf Tage sind eine kurze Zeit, in der ich mich aber schon mehr an das kleine Helferlein an meinem Handgelenk gew\u00f6hnt habe, als ich je gedacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Was Thomas nach kurzer Zeit schon st\u00f6rt, ist dass das Armband immer wieder selbstst\u00e4ndig aus der Schlaufe rausgeht und dass er beim Anziehen seiner Jacke mit der Seite der Uhr (da wo der Magnetstecker sitzt) im Einstiegsloch des \u00c4rmels h\u00e4ngen bleibt. Das sind nat\u00fcrlich Probleme, die einem mit jeder Uhr passieren k\u00f6nnen, aber wenn man schon einmal beim Review ist, soll das nicht unerw\u00e4hnt bleiben.<\/p>\n<p>Die Pebble hat mir \u2013 durch das Abschalten vieler Notifications auf dem Handy, also eigentlich ein fehlendes Feature \u2013 viel Ruhe in den Alltag gebracht und meinen Handyverbrauch drastisch reduziert. Auch wenn die stetige Bluetooth Verbindung lt. Hersteller am Tag 5-10% Akku frisst, habe ich am Ende jedes Tages deutlich mehr Akku \u00fcbrig, als es vorher der Fall war. Apropos Akku: ich habe die Uhr noch nicht einmal laden m\u00fcssen!<\/p>\n<p>Durch die kurzen Informationen direkt auf dem Display und vor allem die Unm\u00f6glichkeit, direkt mit den Nachrichten zu interagieren, ist die Motivation, bei jeder SMS noch mal schnell die anderen Netzwerke und Apps zu checken, quasi entfallen.<\/p>\n<p>Von der Softwareseite aus gesehen ist die Pebble schlicht, elegant und liebevoll gestaltet. Die iPhone App ist clean, einfach und zielf\u00fchrend und hat visuell ein paar echt sch\u00f6ne Highlights zu bieten (Screenshot). Auch die Menf\u00fchrung innerhalb der Uhr ist sofort verst\u00e4ndlich, wenn auch von dem ein oder anderen Problem gepr\u00e4gt (z.B. gibt es den Punkt \u201eNotifications\u201c mit gleichen Icon auf erster Ebene, sowie unter dem Unterpunkt \u201eSettings\u201c, was gelegentlich zu kleinere Verwirrungen gef\u00fchrt hat). Abz\u00fcge gibt es au\u00dferdem f\u00fcr das App-Angebot im Store, welches noch keine f\u00fcr mich sinnvollen Apps bietet.<\/p>\n<p>Sowohl f\u00fcr privat als auch f\u00fcr den industriellen Kontext scheint mir dieses \u00fcberraschend robuste Produkt ein guter Kompromiss aus Leistung, Gewicht und Funktionalit\u00e4t zu sein \u2013 ich glaube, ich werde mir eine f\u00fcr den privaten Gebrauch bestellen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Das Wort \u201eunkommunikativ\u201c ist in der letzten Woche noch nicht einmal gefallen!<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"template":"","tags":[78,74],"class_list":["post-5024","blog","type-blog","status-publish","hentry","tag-iphone-de","tag-usability-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/5024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/5024\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}