{"id":7461,"date":"2017-01-31T17:30:36","date_gmt":"2017-01-31T16:30:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.centigrade.de\/blog\/de\/?p=7461"},"modified":"2017-03-29T11:21:25","modified_gmt":"2017-03-29T09:21:25","slug":"digitalisierung-der-unfug-der-eigentlich-keiner-ist","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/digitalisierung-der-unfug-der-eigentlich-keiner-ist\/","title":{"rendered":"Digitalisierung \u2013 Der Unfug, der eigentlich keiner ist"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Ihnen wird die Aufgabe \u00fcbertragen, in der Firma das Thema \u201eDigitalisierung\u201c voranzutreiben. Und nat\u00fcrlich klingen Ihnen dazu die Stimmen aus Politik und Wirtschaft im Ohr. Sie haben mehr als eine Messe besucht, deren Hauptthemen, \u201edigitale Transformation\u201c und \u201eIndustrie 4.0\u201c, zuerst vollmundig angek\u00fcndigt, dann aber eher d\u00fcrftig aufgearbeitet worden sind. Woher kommt diese Diskrepanz? Haben wir es hier mit einer Worth\u00fclse zu tun? Einer schillernden Seifenblase ohne Substanz? Reinem Unfug?<!--more--><\/p>\n<h3>Digitalisierung als Unfug<\/h3>\n<p>Ja, was ist denn nun mit dem Autor los? Das ist doch DAS Thema \u2013 der Blick auf Google Trends belegt das:<\/p>\n<div id=\"attachment_7454\" style=\"width: 661px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7454\" class=\"wp-image-7454\" src=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats.jpg\" width=\"651\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats.jpg 1115w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats-300x70.jpg 300w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats-768x180.jpg 768w, https:\/\/www.centigrade.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/google-stats-1024x241.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7454\" class=\"wp-caption-text\">\u201eDigitalisierung\u201c in Google Trends (D) in den letzten f\u00fcnf Jahren [Google und das Google-Logo sind eingetragene Marken von Google Inc., Verwendung mit Genehmigung.]<\/p><\/div>\n<p>Allerdings sehen wir hier ein Trend, der eigentlich eine \u201eBlack Box\u201c ist. Denn was genau hier gesucht wird, ist so unterschiedlich wie eben die unterschiedlichen Verst\u00e4ndnisse von \u201eDigitalisierung\u201c. Es liegt nun mal keine allgemeing\u00fcltige Definition des Begriffes vor. Und so kann es sein, dass je nach Interessengruppe, Anwendungsdom\u00e4ne oder Industrie dieses Wort eine unterschiedliche Gestalt annimmt.<\/p>\n<p>Wir alle haben so \u201eein Gef\u00fchl\u201c was gemeint ist. Aber den genauen Fokus, die genaue Abgrenzung zu anderen Themen im Umfeld IT, das explizit Eigene von Digitalisierung \u2013 diese Benennung ist nicht einfach. Aber wenn das Thema gro\u00df auf der Agenda steht, will es bearbeitet werden. Man geht auf Zukunftskongresse, liest so manches Buch mit vertrauenserweckendem Titel (lies: es kommt recht oft \u201e4.0\u201cdarin vor), gr\u00fcndet einen Arbeitskreis \u201eDigitalisierung\u201c und bl\u00e4ttert in Fachmagazinen. Doch was das Thema f\u00fcr die eigene Arbeitsrealit\u00e4t bedeuten kann, ist damit noch l\u00e4ngst nicht klar. Und es verwundert nicht, wenn der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bitkom, Bernhard Rohleder im Vorfeld des nationales IT-Gipfels des Jahres 2016 beklagt, dass Rund die H\u00e4lfte der Unternehmen in Deutschland noch &#8222;keine echte Digitalstrategie&#8220; hat (siehe <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Bitkom-Haelfte-der-deutschen-Unternehmen-fehlt-Digitalstrategie-3464877.html\" target=\"_blank\">Artikel auf Heise<\/a>).<\/p>\n<h3>Lieber drei Apps produziert als einmal nachgedacht?<\/h3>\n<p>Kann man sich trotz allem diesem \u201eUndefinierbaren\u201c n\u00e4hern? Ich bem\u00fche einfach mal die Schrift \u201eZukunftschance Digitalisierung\u201c des BMWi : \u201eModerne Informations- und Kommunikationstechnologien erleichtern viele Arbeitsprozesse. Neue, digitale Technologien stellen klassische Produktionswege und Gesch\u00e4ftsprozesse auf den Kopf.\u201c Ok \u2013 Gut, arbeiten wir damit. Denn in dem Statement, das zun\u00e4chst genauso nebul\u00f6s klingt, wie jede andere Aussage zum Prozess der digitalen Transformation, verstecken sich erstaunliche handfeste Hinweise.<\/p>\n<p>Wenn es um die Neuordnung ganzer \u201eProduktionswege und Gesch\u00e4ftsprozesse\u201c geht, ist Digitalisierung also keine neue Nahkampf-Technik f\u00fcr moderne Unternehmen (oder solche die es werden wollen), sondern umschreibt einen Ver\u00e4nderungsprozess, der ganzheitlich alle Aspekte des Arbeitens betrifft. Beachte: es geht um Arbeit \u2013 nicht um Technologie, Apps oder Sensoren. Das wird nur vorgeschoben, weil man oft einfacher \u00fcber eine \u201ecoole App\u201c anstatt \u00fcber die Frage nachdenken m\u00f6chte, was diese App eigentlich soll.<\/p>\n<p>Die digitale Transformation also um ihrer selbst willen als Thema vor sich her zu tragen ist, wie eingangs angedeutet, tats\u00e4chlich Unfug. Man \u00e4ndert nichts (zumindest nicht zum Besseren), wenn man eine App baut, Systeme vernetzt und Abl\u00e4ufe mithilfe von IT automatisiert und optimiert, ohne zu wissen, warum.<\/p>\n<h3>Digitale Transformation verstehen<\/h3>\n<p>Es geht vielmehr um neue M\u00f6glichkeiten einen Kontext zu durchdringen und Mittels neuer Methoden und Verfahren bessere Ergebnisse als bisher zu erzielen.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich erstmal nach Arbeit an \u2013 und ist Digitalisierung nicht eigentlich daf\u00fcr gedacht, Arbeit abzunehmen? Die Antwort ist Ja und Nein; Ja \u2013 es ist mehr Arbeit, denn Digitalisierung bedeutet, einen komplexen Prozess des Change Management zu durchleben, bei dem nicht wenige \u00fcberkommene Arbeitsmodelle, Inhalte, Rollen und Technologien Ver\u00e4nderungen unterworfen werden. Nein; Digitalisierung ver\u00e4ndert die Arbeitswelt \u2013 aber im besten Falle so, dass am Ende des Change Management Prozesses ein schlankeres, leistungsf\u00e4higeres und menschenfreundlicheres Unternehmen mit aktualisierten Businessmodellen steht.<\/p>\n<p>Aber wie genau diese aussehen, ist im Moment nur schwer abzusch\u00e4tzen. Vor allem besteht ein ger\u00fctteltes Ma\u00df an Ungewissheit, welche Rolle der Mensch in diesem Konstrukt \u201eDigitalisierung\u201c einnimmt. Und da es leider keine allgemeing\u00fcltige Heilsformel gibt (so wie \u201eMach mal Big Data und alles wird gut!\u201c) kann es nur darauf hinauslaufen, dass wir uns das Themenfeld \u201eDigitalisierung\u201c erarbeiten und erstreiten m\u00fcssen. Wir haben die Wahl, hier datengetrieben zu agieren \u2013 unsere Handlungen an den Mengen der Daten und Informationen auszurichten. Oder wir wollen den Menschen im Zentrum der Aktivit\u00e4ten nicht vergessen? Schlie\u00dflich ist die digitale Transformation der Industrie keine Aufgabe zum Selbstzweck.<\/p>\n<h3>Facettenreiche Transformationsprozesse<\/h3>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"33%\">\n<h3>Technik<\/h3>\n<\/th>\n<th width=\"33%\">\n<h3>Organization<\/h3>\n<\/th>\n<th width=\"33%\">\n<h3>Personal<\/h3>\n<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<ul>\n<li>Assistenzsysteme<\/li>\n<li>Mensch-Roboter-Kollaboration<\/li>\n<li>Mensch-Maschine-Schnittstellengestaltung<\/li>\n<li>Usability<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Handlungs- und Entscheidungsspielraum<\/li>\n<li>Aufgabengestaltung und -vielfalt<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Informationsbedarf und -bereitstellung<\/li>\n<li>Qualifikation und Kompetenz<\/li>\n<li>Bef\u00e4higung und Verantwortung<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<ul>\n<li>Prospektives Design von Produkten und Produktionsprozessen<\/li>\n<li>Lernf\u00f6rderliche Technikgestaltung<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Organisation von Befugnis &amp; Verantwortung<\/li>\n<li>Verortung von Entscheidungsfunktionen<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung der Systeme<\/li>\n<li>Lernf\u00f6rderliche Prozessgestaltung<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Technologie- &amp; innovationsabh\u00e4ngige Kompetenzentwicklung, Personalentwicklung<\/li>\n<li>Zwischenmenschliche Prozesse und Kommunikation<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<ul>\n<li>Betriebs- und unternehmens\u00fcbergreifende Gesch\u00e4ftsprozesse und Wersch\u00f6pfungsketten<\/li>\n<li>Technologische Ressourcenflexibilit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Personenbezogener Datenschutz und Pers\u00f6nlichkeitsrechte<\/li>\n<li>Arbeitszeitgestaltung und Flexibilit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td>\n<ul>\n<li>Personalstrategie und -management<\/li>\n<li>Verf\u00fcgbarkeit von Fachkr\u00e4ften<\/li>\n<li>Demografischer Wandel<\/li>\n<li>Anpassung von Aus- und Weiterbildungscurricula<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Handlungsfelder f\u00fcr eine menschengerechte Arbeitsgestaltung in der Industrie 4.0 (Quelle: DEUTSCHE NORMUNGS-ROADMAP Industrie 4.0)<\/em><\/p>\n<p>Wie die obige Grafik offenlegt, kann man das Thema der Digitalisierung in der Industrie 4.0 nur als gemeinschaftlich-abgestimmtes Vorgehen von Technologie, Organisation und Personalmanagement verstehen. Das bedeutet aber auch, dass ein einseitiges Handeln zwangsl\u00e4ufig zu Beanspruchungen in den anderen Themenfeldern f\u00fchrt. W\u00fcrde zum Beispiel zu sehr nur in neue Technologien investiert, ohne die n\u00f6tigen Anpassungen in Organisation oder Qualifikation der Mitarbeiter zu ber\u00fccksichtigen, ist ein werthaltiger Erfolg wenig wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Wir wollen in weiteren Beitr\u00e4gen die unterschiedlichen Dom\u00e4nen betrachten, die von einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie ber\u00fchrt werden.<\/p>\n<h4>Lesen Sie mehr interessante Inhalte in diesem Umfeld<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/services\/ux-strategy\">Mit einer UX Strategy\u00a0durch den Dschungel der Digitalisierung \u2013 unser Service<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/maschine-motiviert-mensch-gamification-in-der-industrie-4-0\/\">Maschine motiviert Mensch: Gamification in der Industrie 4.0<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/blog\/watchout-smartwatch-trifft-auf-industrie-4-0\/\">WatchOut: Smartwatch trifft auf Industrie 4.0<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.centigrade.de\/de\/references\/portfolio\/bosch-rexroth\">Joy of Use am Morgen: Nachhaltiges St\u00f6rungs\u00admangement im ActiveCockpit bei Bosch Rexroth<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":0,"template":"","tags":[476],"class_list":["post-7461","blog","type-blog","status-publish","hentry","tag-ux-strategy"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/7461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/7461\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.centigrade.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}