Eine spielerische Reise zu Heilung und Selbstwirksamkeit

Health Games für Kinder & Jugendliche mit ICP

Eine spielerische Reise zu Heilung und Selbstwirksamkeit

Therapeutische Herausforderungen bei Kindern mit infantiler Zerebralparese

Eines von 500 Neugeborenen kommt mit infantiler Zerebralparese (ICP) zur Welt, einer schweren motorischen Beeinträchtigung. Die neurologische Krankheit kann durch regelmäßige betreute Muskelübungen gelindert werden, aber diese Übungen sind nicht sehr motivierend, da sie repetitiv sind und den Kindern ein Gefühl der Abhängigkeit vermitteln.

BMBF & VDI
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) fördern und begleiten Forschungsprojekte, die technologische Innovationen für die Gesellschaft nutzbar machen.
UI Design
Prototyping
Software Engineering
UX Design
UX Research

Ein Serious Game, mit dem Kinder ihre Therapieübungen spielerisch und selbstwirksam zu Hause durchführen können.

Entwicklung des Serious Games „MightyU“ im BMBF-Forschungsprojekt

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsprojekts entstand ein Serious Game, mit dem Kinder ihre Therapieübungen spielerisch und selbstwirksam zu Hause durchführen können. MightyU soll Kindern und Jugendlichen mit ICP zu mehr Selbstständigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verhelfen und gleichzeitig Angehörige und Pflegekräfte entlasten.

User Research – Das A und O bei Human Centered Design

User Research – Das A und O bei Human Centered Design

User Research bildet eine unverzichtbare Grundlage für ein gelungenes Nutzungserlebnis. In diesem Projekt hat der Austausch mit der Zielgruppe einen besonders großen Stellenwert eingenommen.

Unsere Hauptmotivation bestand darin herauszufinden, was die Kinder begeistert und was sie eher frustriert. Wir wollten verstehen, welche Art von Spielen sie bevorzugen und welche Figuren sie sowohl visuell als auch inhaltlich inspirieren. Indem wir diesen Fragen auf den Grund gegangen sind, haben wir faszinierende Einblicke in das Leben eines Kindes mit ICP erhalten.

Im Gaming sehen wir großes Potenzial zur Inklusion. Insbesondere ICP-Kinder erfahren durch Videospiele das Gefühl von Glück, Selbstwirksamkeit, Stärke und sozialer Zugehörigkeit. Durch therapeutische Videospiele können sie ihre Stärken kennenlernen, statt täglich mit ihren Schwächen konfrontiert zu sein.

Der ungewöhnliche Playertype von ICP-Kindern

Der ungewöhnliche Playertype von ICP-Kindern

Der erste Schritt bei der Entwicklung unseres Spiels war die Bestimmung des sogenannten Playertypes der Kinder. Dies führte uns zu einer überraschenden Erkenntnis: Die meisten ICP-Kinder gehören der Gruppe der "Philanthropen" an, was für Kinder sehr ungewöhnlich ist.

Da sie überdurchschnittlich viel Fürsorge erfahren, suchen sie nach Möglichkeiten, auch für andere da zu sein. Eine Spielmechanik, die auf Wettbewerb, Ranglisten oder Geschicklichkeit setzt, wäre hier eher kontraproduktiv, da die Kinder ohnehin schon über die Maßen mit Herausforderungen belastet sind. Unsere Mission war klar: Ein Spiel, das es ermöglicht, die vorhandene Empathie und Hilfsbereitschaft in virtuellen Welten auszuleben.

„Der Philanthrop ist ein sozial eingestellter Playertype, der gerne Verantwortung übernimmt und sich für andere einsetzt. Philanthropen handeln gerne für ein größeres Ziel, das eine höhere Bedeutung oder einen tieferen Sinn oder Nutzen hat.“

Eine neue, selbstbestimmte Rolle für Patient*innen

Eine neue, selbstbestimmte Rolle für Patient*innen

Ausgehend von dieser Erkenntnis kamen wir auf die Idee, ein Spiel zu entwickeln, in dem es um die Aufzucht und Pflege einer mächtigen Kreatur geht. Dieser Ansatz bietet eine einzigartige Möglichkeit, Kindern mit ICP ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit zu geben. Indem sie sich um eine virtuelle Kreatur kümmern, können die Kinder Verantwortung übernehmen und sich als fürsorgliche Betreuer*innen fühlen. Sie sehen, dass ihre Handlungen direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Kreatur haben und gewinnen so ein Gefühl der Kontrolle und des Einflusses, belohnt durch die wachsende Zuneigung und Stärke der Kreatur.

Die Technik hinter MightyU

Die Technik hinter MightyU

Doch natürlich sollte das Spiel auch die therapeutischen Übungen der Kinder ergänzen. Um das Spiel zu spielen, nutzen die Kinder also keinen herkömmlichen Controller, sondern das Gerät, welches sie bereits aus ihrer Therapie kennen: einen professionellen medizinischen Sensor, welcher die Muskelkontraktionen der Patient*innen misst. Für das Spiel haben wir genau diesen Sensor in einen Gamecontroller umgewandelt.

  • Der Sensor sendet ein Bluetooth-Signal an einen Arduino-Microcontroller mit Bluetooth-LE-Modul.
  • Der Arduino konvertiert das Signal in Steuerbefehle eines Gamepads.
  • Über einen Adapter kann der Microcontroller einfach per USB-C-Kabel an die Konsole angeschlossen werden.
  • Die Spielkonsole interpretiert das Ganze als herkömmliches Gamepad. Das Spiel verwendet die Eingabe wie den X-Achsenwert des linken Sticks.

Ein besonderes Projekt

Bei all den spannenden Themen, mit denen wir uns in unserer Arbeit beschäftigen, sind es genau solche Projekte, die uns daran erinnern, warum wir unseren Job so gerne machen. Projekte, die uns nah an die Lebenswelt der Menschen bringen. Sie zeigen uns, dass User Research mehr ist als nur ein weiteres Tool in der Toolbox eines Tech-Unternehmens – es ist das Fundament unserer Arbeit. Der direkte Austausch mit den Patient*innen über ihre Bedürfnisse und die Suche nach einer passenden Lösung war für uns definitiv sinnstiftend. Ein besonderes Dankeschön geht außerdem an unsere Projektpartner. Ohne sie wäre die Entwicklung nicht möglich gewesen.

Ein besonderes Projekt

Technologien

  • Arduino logo

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