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Not Lost in Translation – Von Icons und Dolmetschern

David Patrizi
David Patrizi
30. Juni 2014

Icons sind mein täglich Brot – von universell einsetzbaren Home Icons in verschiedenen Stilen bis hin zu fachspezifischen Icons für die Verkabelung von elektrischen Relais in Umspannwerken habe ich schon vieles gestaltet. Vor kurzem erfuhr ich, dass auch Dolmetscher Symbole verwenden, um Bedeutungen schnell festhalten und später wieder abrufen zu können. Ich nutzte die Gelegenheit, um einen Schritt zurückzutreten und mir nochmal genauer anzusehen, wo das wunderbare Mittel der Symbolik sonst so zum Einsatz kommt.

Herkömmliche und Spezielle Icons

Bildsprache

Die Verwendung von Symbolen und Icons ist eine sehr gute Möglichkeit, sowohl einfache, physikalisch existierende Objekte, als auch komplexe oder abstrakte Konzepte kompakt darzustellen (zur genaueren Abgrenzung von Symbol, Icon und Piktogramm empfehle ich den Blogartikel „Piktogramme – der neue letzte Schrei im Icon Design“ meiner Kollegin Jenny Gemmell). Beim User Interface Design ist dies insbesondere bei der Darstellung von Navigationsobjekten (Pfeile, Ordner, Symbole für Bereiche einer Applikation) von Vorteil. Das Gleiche gilt für im System vorhandene, abstrakte Objekte (Projekte, Dokumente, Kontakte) oder für ganze Funktionen und Aktionen (Öffnen, Exportieren, Speichern).

UI Design Icons unserer PlainSeries Stock Icons

Handelt es sich bei einem solchen Icon um eine direkte visuelle Abbildung des betroffenen Objekts, also um ein Ikon (vgl. den Artikel von Jenny Gemmell), so kann dieses oft ohne ein erklärendes Label weltweit eingesetzt werden. Im User Interface Design gibt es zudem etablierte Icons, die immer wieder für dieselben Objekte und Funktionen verwendet werden und daher nicht jedes Mal neu erlernt werden müssen.

Diese Icons müssen nicht zwangsläufig selbsterklärend sein, hierfür ist die Diskette zum Abspeichern von Daten ein gutes Beispiel. Die Disketten-Metapher, die ehemals eine ikonische Bedeutung hatte, da man tatsächlich Daten auf einer Diskette abspeicherte, ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und könnte sicher durch ein selbsterklärendes Motiv ersetzt werden. In dem Fall wäre ein Icon mit der symbolischen Bedeutung von „Speichern“ oder „Aufbewahren“ am sinnvollsten, da sich durch den technischen Fortschritt das Speichermedium sicher noch mehrfach ändern wird.

Eine mögliche Evolution von Save Icons

Doch das Festhalten an bekannten Konzepten bietet oft den Vorteil, dass ein „kollektives Gedächtnis“ aufgebaut wird und die Menschen vor dem ständigen Umdenken und Neu-Erlernen verschont werden. Beim Icon „Diskette“ hat sich also die Bedeutung von ikonisch, der tatsächlichen Abbildung, zu symbolisch, der „Idee“ von Speichern, verschoben.

Die Verwendung von Symbolen zur kompakten Darstellung von Informationen kommt in vielen Bereichen zum Einsatz, etwa bei der Beschilderung von öffentlichen Bereichen oder im Straßenverkehr. Hier ist ein relativ großer Teil der Weltbevölkerung darauf angewiesen, die Bedeutung der Symbole schnell und unmissverständlich zu erfassen.

Sketchnotes

Neben diesen einfachen Symbolen, die meist nur eine einzelne Information beinhalten und schnell erlernt und erkannt werden, wird Bildsprache immer stärker auch für vielschichtige Informationskonstrukte verwendet – wie zum Beispiel Meetings und Vorträge – um den Inhalt später anschaulich wiedergeben zu können. Die visuelle Erfassung solcher komplexer Inhalte ist im kreativen Bereich nichts Neues. In den letzten Jahren erfreuen sich zum Beispiel Sketchnotes einiger Beliebtheit. Hierbei wird beispielsweise eine ganze Rede mittels Mind-Map-artigen Scribbles zu einem anschaulichen Ganzen kombiniert.

Sketchnotes sind jedoch eher eine Art der Informationsvisualisierung, in der nicht nur Symbole, sondern auch andere, aufwändiger gestaltete Elemente verwendet werden. Der genaue Wortlaut des Redners oder der Meetingteilnehmer kann dabei nicht mehr wiedergegeben werden. Ziel ist die Veranschaulichung des groben Inhaltes. Nicht zuletzt ist hierfür ein gewisses Zeichentalent notwendig.

Die Notizentechnik der Dolmetscher

Anders sieht es bei Dolmetschern aus, die ebenfalls komplexe Inhalte in kürzester Zeit aufnehmen und wiedergeben müssen, jedoch nicht zwingend über die zeichnerischen Fähigkeiten verfügen, die man für Sketchnotes benötigt. Trotzdem nutzen sie die Möglichkeiten der Bildsprache für ihre Zwecke.

Eine befreundete Dolmetscherin erzählte mir neulich, dass es bei der Notizentechnik des Konsekutivdolmetschens vor allem auf eine kompakte und dadurch schnelle Erfassung von Informationen ankommt. Bei dieser Art des Dolmetschens wird das Gesprochene – im Gegensatz zum Simultandolmetschen – zunächst über eine bestimmte Zeit hinweg notiert, um es anschließend zusammengefasst zu übersetzen und wiederzugeben. Das Gesprochene muss dabei sehr schnell erfasst werden, um Inhalte nicht zu vergessen. Wortwörtliches Aufschreiben durch Stenographie ist hierbei nicht gebräuchlich, Dolmetscher bedienen sich stattdessen anderer kompakter Darstellungsweisen der Informationen: Abkürzungen und… Symbole!

Beispiele von Symbolen der Notizentechnik

Neben einigen etablierten, weitläufig verwendeten Symbolen erfinden Dolmetscher zusätzlich eigene Symbole, um beim Notieren nicht lange nachdenken zu müssen und das Notierte anschließend eindeutig zu verstehen. Auch diese Symbole müssen daher zielgruppengerecht sein – mit dem Unterschied, dass die Nutzergruppe nicht wie meist im User Interface Design aus sehr vielen Personen, sondern aus lediglich einer einzigen Person besteht.

Deshalb kommen nicht nur schön ausgestaltete, für eine große Anzahl an Betrachtern erkennbare Motive zum Einsatz, stattdessen überwiegt der praktische Anspruch: kurze Wörter werden einfach ausgeschrieben, ab und zu reicht der Anfangsbuchstabe eines Wortes und längere Wörter werden als Symbol dargestellt, das einfach zu zeichnen ist. Beim Notieren werden die Symbole so verknüpft, dass man auch komplexe Zusammenhänge gut rekonstruieren kann.

Es gibt jedoch auch einige Symbole, die allgemein verständlich sind, wie zum Beispiel die verschlungenen Ringe für „Partnerschaft“, ein Dach zur Darstellung von „Schutz“, oder das abstrakte Mikroskop, das für „Forschung“ steht.

Icons, wohin man blickt!

Ich finde es ermutigend und inspirierend zugleich, dass Symbole (oder Icons) auch in anderen Bereichen als den allseits bekannten einen sinnvollen Einsatz finden. Natürlich werden sie, gerade beim User Interface Design, meist dazu genutzt, als Designelement die Anmutung des gesamten Interfaces zu beeinflussen. Dies spielt gerade beim aktuell modernen Flat Design (oder auch Desktop Modern UI Design) eine große Rolle, wo durch das bewusste Weglassen von unnötigen Schnörkeln immer weniger Werkzeuge zur Verfügung stehen, um das tatsächliche Design hervorzuheben. Hier kommt den Icons also mittlerweile eine noch wichtigere Rolle zu, da der Blick verstärkt auf die wenigen noch vorhandenen grafischen Elemente gelenkt wird.

Im täglichen Umgang mit Icons verliert sich hier jedoch ab und zu der Blick auf deren wahre, praktischen Vorteile, die zusätzlich zu den rein ästhetischen Aspekten existieren. Die Beispiele aus anderen Bereichen zeigen uns, dass der Hauptzweck von Icons die Möglichkeit darstellt, Inhalte schnell zu kommunizieren und komplexe Konzepte anschaulich und auf kleinem Raum darzustellen. Es ist sicherlich ratsam, diesen praktischen Nutzen immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wenn man den nächsten ausgefallenen Icon Style entwickelt.

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