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Vor- und Nachteile von Animationen bezüglich der User Experience

Anna Günther
26. Februar 2010

Wie bereits im Januar-Artikel beschrieben, kann Animationen eine wesentliche Bedeutung beim User Interface Design zukommen. Dieser Artikel bietet Einblick in eine Studie, in der die Effekte von Animationen auf die User Experience erforscht wurden.

Prototyp und Aufgaben

Das Untersuchungsobjekt der Studie war der interaktive Prototyp eines Gebäudemanagement-Systems. Die Hauptfunktionalitäten drehten sich darum, einen Überblick über das Gebäude zu geben (Etagen und Räume), die Temperatur einzustellen und Wartungspersonal einem entstehenden Problem zuzuweisen, um dieses zu beheben.

Die Teilnehmer mussten zunächst die Temperatur im Gebäude erhöhen. Als Resultat dieses Eingriffs überhitzte sich ein Server im Gebäude. Die Teilnehmer mussten dann zur Problemquelle navigieren und ihr den IT Administrator zuweisen, um das Problem zu beheben.

Studiendesign

Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe mit einer animierten Version des Prototypen interagierte, wurden die meisten Animationen für die zweite Gruppe („statische Gruppe“) durch statische Elemente ersetzt. Die Unterschiede zwischen den beiden Versionen des Prototypen betrafen unter anderem:

    • Anzeige der Hilfe: während die erforderliche Interaktion zum Zuweisen einer Person zu einer Problemquelle für die statische Gruppe als Text beschrieben wurde, enthielt die animierte Version einen animierten Pfeil, der den Zusammenhang zwischen der Liste von Personen und der Raumübersicht verdeutlichte und auf diese Weise einen Hinweis auf die erforderliche Drag & Drop Interaktion gab.
    • Übergänge zwischen Screens: für die statische Gruppe wurde ein Screen-Zustand einfach durch einen anderen Screen-Zustand ersetzt, wohingegen in der animierten Version ein kontinuierlicher Übergang vom Anfangs- in den Endzustand stattfand.
    • Hinweis-Icons: der statischen Gruppe wurden statische Ausrufezeichen gezeigt, wohingegen die Ausrufezeichen in der animierten Version „pulsierten“

Die zu erledigenden Aufgaben waren für beide Gruppen identisch. Die Interaktion mit dem Protoptyp wurde beobachtet und anschließend beantworteten die Teilnehmer einen Fragebogen, um auf diese Weise die Befundbasis zur User Experience zu erweitern.

Ergebnisse

In diesem Abschnitt werden wir Befunde der Studie beschrieben, um ein wenig Licht auf die Auswirkungen von Animationen auf die User Experience zu werfen.

  1. Aufmerksamkeitssteuernde Funktion von Animationen: Teilnehmer in der „statische Gruppe“ hatten größere Schwierigkeiten, eine Person zu einem Problem zuzuweisen, da der Hilfetext auf dem Bildschirm neben dem Fehler oft nicht beachtet wurde – im Gegensatz zur animierten Version der Hilfe.
  2. Einfluss des Erfahrungsgrads der Nutzer auf die Beurteilung der Animationsgeschwindigkeit: Die Teilnehmer, die nicht täglich mit Computern arbeiten, waren sehr viel dankbarer für die Animationen und beurteilten die Animationen positiver als die Teilnehmer, die täglich mit Computern arbeiten. Dies wirkte sich auch in Bezug auf Beurteilung der Animationsgeschwindigkeit aus. Die meisten der regelmäßigen Computernutzer mochten sie, gaben aber an, dass sie sie zu langsam fanden und vermuteten, dass sie nach einer Weile wohl störend wären. Die eher unerfahrenen Computernutzer erachteten sie als sehr hilfreich und hatten keine vergleichbaren Bedenken. Die zeigt, dass die Geschwindigkeit von Animationen auch vor dem Hintergrund des Erfahrungsgrads der Nutzer sorgfältig durchdacht werden sollte.
  3. Einfluss des Erfahrungsgrads der Nutzer auf die wahrgenommene „Dringlichkeit“, die durch Animationen impliziert wird: Bezüglich der Frage, ob sie bei der Benutzung des Prototypen Angst hatten, Fehler zu machen, wurde der Unterschied zwischen erfahrenen und wenig erfahrenen Nutzern ebenfalls deutlich. Die wenig erfahrenen Nutzer antworteten, dass das animierte „Alarm“-Icon (blinkendes Ausrufezeichen) eine Art „Panik“ bei ihnen erzeugte. Erfahrene Nutzer hatten einen völlig anderen subjektiven Eindruck. Sie gaben an, dass sie sich durch den weitreichenden Einsatz von Animationen eher in einer Art „Computerspiel“ fühlten statt in einer „echten“ Applikation und dass sie daher weniger Angst hatten, Fehler zu machen. Das animierte Ausrufezeichen wurde also nicht als „bedrohlich“ wahrgenommen, wie dies bei den wenig erfahrenen Nutzern der Fall war.
  4. Einfluss von Animationen auf die Freude bei der Benutzung („joy of use“): Was während des Tests sowie in der anschließenden Befragung deutlich wurde war, dass die Teilnehmer, die mit dem animierten Prototypen interagierten, mehr Freude bei der Benutzung hatten. Während sich alle Teilnehmer einig waren, dass das User Interface schön gestaltet war, hatte die „animierte Gruppe“ dennoch mehr Spaß bei der Interaktion. Dies zeigt, dass Animationen einen deutlichen Effekt auf die Freude bei der Benutzung haben können.

Fazit

Die Analyse der Daten, die aus der Studie resultierten, lieferte erste Ergebnisse hinsichtlich der Vor- und Nachteile von Animationen in User Interfaces. Vorteilhaft war, dass der Einsatz von Animationen dazu führte, dass die Anwender die Applikation mehr mochten und dass – beim angemessenen Einsatz von Animationen – unerfahrene Nutzer bei der Interaktion unterstützt wurden. Aber es gab auch negative Aspekte: erfahrene Nutzer fühlten sich bei der Interaktion mit der Anwendung durch den Einsatz von Animationen eingeschränkt. Es ist daher wichtig, beim Einsatz von Animationen Nutzereigenschaften zu berücksichtigen.
Natürlich ist die Studie weit davon entfernt, alle Fragen zu beantworten, die man hinsichtlich des Einflusses von Animationen auf die User Experience stellen kann. Es gibt in diesem Bereich eine Vielzahl interessanter Fragen, die in der Zukunft hoffentlich nach und nach beantwortet werden, um Animationen auf eine Art und Weise einzusetzen, die der User Experience förderlich ist.

 

Dieser Blog Artikel ist eine bearbeitete Version von Material, das ursprünglich von Anna Günther im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit bei Centigrade erstellt wurde.

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